neue [bewusstseins-] form: freisein

das werk Neue Form © P. Hauf 2007-2017

.................................... Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt, 2008

So geht es weiter und weiter im Lande der Dichter und Denker.

Bei einem Besuch im Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt an der Donau, Ende 2008, erlebe ich, wie der junge, höchstpersönlich durch die von ihm sehr schön mit heute Millionen von Euro werten Werken seinerzeit verfolgter und erschlagener Künstler kuratierte Sonderausstellung führende Museumsdirektor zum Ende seines Vortrages, im 3. Stockwerk angelangt, der Besuchergruppe angesichts eines Stahlrohrstuhls von Marcel Breuer ... Adolf Hitler verkaufen will.

"Hitler war übrigens gar nicht antimodern eingestellt; es existiert ein Foto von ihm, auf genau solch einem Stahlrohrstuhl, wie Sie ihn hier sehen!"

Hitler — in einem Museum für Konkrete Kunst? Dann war wohl auch das Hakenkreuz ein Werk der Konkreten Kunst — wenn nicht gar das Erste, in prähistorischer Zeit?

Max Bill, Anton Stankowski, Richard Paul Lohse, Theo van Doeburg, El Lisitzky und Maholy Nagy, ja Leibnitz und Hegel drehen sich im Grab herum; Hugo Ball entwickelt noch posthum ein weiteres Magenkarzinom bei derlei praktischer deutscher Pädagogik und erinnert sich in weltallkaltem Schweiß an sein Zitat von Friedrich Naumann: "Die katholische Gegenreformation war das Grab des deutschen Geistes an der Donau."

Der Herr Museumsdirektor ist etwa Mitte Dreissig und hat einen Doktortitel. So wie ich jene bayrische Stadt kenne, die im 17. Jahrhundert zum leibhaftigen und dauerhaften Zentrum der Gegenreformation im Sinne eines Übertrumpfens des durch den Mönch von Wittenberg über Deutschland gebrachten Verhängnisses geworden war, der "Umkehr der Moralbegriffe (...), indem er der Brutalität deutscher Fürsten des 16. Jahrhunderts die päpstliche Würde, der Obrigkeit und dem Staate göttliche Kraft verlieh" (Hugo Ball, S. 211), bekleidet hier niemand diesen Posten, der es dem CSU-Regime bzw. dessen Kulturreferat vor Ort nicht absolut recht macht — und aufträgt im Namen des seit der "Wende" virulent gewordenen special nation building, was das Zeug nur so hält ...

Ich versuche ihn nach der Führung anzusprechen, doch er erweist sich als vollkommen unzugänglich. Er weiss, was er tut. Er macht Karriere unter den heutigen Kommunikationsherrschern.

Die Restauration rollt. Auf beiden, der katholischen wie auf der protestantischen Seite. Wie zwei Mühlsteine zermahlen sie Religion, Moral und Freiheit zwischen sich, so wie sie es seit tausend Jahren Gepflogenheit ist in der teutschen Theokratie. Die katholische Betrügerfraktion und ihre Agenten sind überall, und wo sie nicht sind - ist nichts mehr ausser der eifersüchtigen protestantischen Kollegenschaft sowie in neuerer Zeit vielleicht ein paar Scientologen. Sie besetzen und bevormunden — nicht erst seit gestern, aber seit 20 oder 30 Jahren wieder unbehindert — alles, was ihren demagogischen Zwecken dienlich ist oder dienlich sein bzw. einmal werden könnte:

• Kunst und Geist, wo sie ihrer nur habhaft werden können — und wo sie das nicht vermögen, "ignorieren sie sie nicht einmal"; sie verbannen sie damit mitsamt ihren Schöpfern bzw. lebendigen und undogmatischen Trägern aus möglichst vollständig, möglichst total usurpiertem öffentlichen Raum.

• Medien und Museen, die sie genauso instrumentalisieren (was etwa in der Horror-Kuratierung der "Pinakothek der Moderne" in München einen besonderen Gipfel erreicht, wo unter Wahrung einer gewissen Schamfrist nach der Eröffnung aus der Gipfelrotunde des Bauwerks zielstrebig die mitunter besten plastischen Arbeiten entfernt und dauerhaft ins Depot abgeführt wurden — sicher, sie hätten den angewandten Werken des Design im Untergeschoß immer den Rang abgelaufen, junge Besucher vielleicht noch dazu verführt, die freie künstlerische Laufbahn einzuschlagen, anstatt sich möglichst umgehend bei der "deutschen" Industrie zu verdingen etc.).

• Und, wie nicht nur an anderer Stelle, sondern auf dieser gesamten Website ausführlich gezeigt, in erster Linie die Farbe Rot (Wer es nicht glauben mag, sehe sich eine einzige Fernsehshow des derzeitigen Papstes oder irgend eines anderen geistlichen Würdenträgers an und achte darin auf die Inszenierung dieser Farbe).

• Die Kunst der Künste, ars artium (die "Seelenführung und Gewissenslenkung") ... freilich von jeher die Domäne des Niederschlagens jeglicher Bewusstseinserweiterung.

Das Museum für konkrete Kunst in Ingolstadt wird nicht nur seit seiner Gründung vor 30 Jahren auf das Eifersüchtigste von den Klerikalen — die es katholischerseits hier nicht weit bis in die Bischofs- und gerade in letzter Zeit zu bedauerlicher Berühmtheit gelangte Katholische Universitätsstadt Eichstätt haben —  vereinnahmt, bewacht ... beschlagnahmt; falls es nicht ohnehin allein aus Gründen der Zelebrierung der hier in straffer katholischer Hand befindlichen Universalienrealismen etabliert wurde.

In die Verwaltung dieses 'Hauses der Konkreten' kommt kein Mensch 'rein, der etwas von Freiheit zu sagen hat, kein lebender Künstler, der von dieser kündete und sich das Wort nicht um Mund verdrehen oder einen Maulkorb verpassen lässt — erst, nachdem mindestens ein Jahrzehnt seit seinem Tod vergangen ist, lässt sich da etwas machen. Dann allerdings ergeht es ihm genau wie all seinen Kollegen und Kolleginnen vor ihm auch schon, seien es Maler oder Schriftsteller oder Bildhauer gewesen: Er oder sie wird posthum "eingemeindet", wo ihm zu Lebzeiten die Heimat versagt geblieben war — die Botschaft, von der gekündet worden war, wird ausgerechnet von dem mörderischen Typus, den ein Leben lang die Verachtung der Verachteten getroffen hatte (weil sie von ihm oft genug bis aufs Blut verfolgt und niedergemetzelt wurden), elaborat in ihr glattes Gegenteil verdreht und zum Trittbrett der Demagogie instrumentalisiert. Vielfach, wie zum Beispiel bei der Ingolstädter Schriftstellerin Marie Luise Fleisser, ein wahrer posthumer Tort.

Zu Lebzeiten gibt es für Jene, die den faschistischen Pakt mit der herrschenden Korporatokratie (hier vor Ort repräsentiert durch einen großen Autobauer, der als Sponsor eben dieses Museums — wenn nicht Inhaber der ganzen Stadt — skrupellos darauf besteht, auch einmal eines seiner Modelle als 'konkrete Kunst' unter dem Dach und im Foyer dieses Hauses vorstellen bzw. vermarkten zu dürfen) nicht mit ihrem Blut unterzeichnen, Jene, die ausserhalb dieser hermetische Verzahnung von Politik und Wirtschaft geraten sind wie in ein Jenseits — weil sie eben Künstler sind — keine Ehrung, keine Vermittlung, keinen "Vater Staat" und kein Erbarmen. Sondern Ausgrenzung, Verlästerung, und möglichst das finale Ziehen des Steckers (wie es Ende der 60er Jahre dem damaligen, noch von Menschlichkeit geprägten Kunstverein widerfahren war). 

Wo es im Juristischen sogar einen Begriff wie "postmortale Schmähkritik" gibt — die mitunter schwer bestraft wird — gibt es in diesem Fall ... nur den späten Sieg der wirklichen, der ewigen Verlierer, den entstellenden Triumph der lebenslangen Todfeinde und Ignoranten über das Werk, das sie so darstellte und das Leben so behandelte, wie sie tatsächlich wirklich sind.

Es geht nicht um die Ausstellung von Kunst, sondern um die Unterdrückung der Kunst.

Weiterlesen: Die Allianz des Terrors

 

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* Nachtrag 09. Juli 2009

* Wie mir meine (eigenen) Überwachungsinstrumentarien über den vorliegenden Internetauftritt — keine Sorge, es bewegt sich alles strikt im Rahmen des Datenschutzes — verraten, wird hier alles schön regelmäßig von einem professionellen Auge aus der Kommunikationsherrscher- Ecke mitgelesen (Ich bin ja hier in dieser erzreaktionären Ingolstädter Region, wenn ich nicht irre, auch seit mindestens zwei Jahrzehnten ein begehrtes Objekt der Gesinnungsüberwachung — insofern gar nichts Neues für mich).

Nach dem Verfassen des obigen Textes, etwa Anfang Juni 2009, scheinen sich die von mir ganz beiläufig bemerkten, auffällige Gemeinsamkeiten aufweisenden Öffentlichkeitsarbeits- bzw. PR- Strategien von CDU und Vatikan schlagartig und synchron zu ändern:

Am 08. Juli erscheint folgende Titelseite der online- Ausgabe der taz (Die Tageszeitung, Berlin), auf der es doch — wie gemutmaßt — sehr nach einer direkten Synchronisierung der Auftritte dieser beiden Machtapparate aussieht (Im Hintergrund des badenwürttembergischen Ministerpräsidenten Oettinger eine neue zweifarbige Anlage des CDU-Schriftzuges, gelb auf gelb — erinnert mich jetzt an etwas — und dann der aktuelle Papst im neuen, kostbaren, goldgelben Gewand).

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Ich bin mir ziemlich sicher, dass dies eine tolle Ergänzung ist. Der oben erwähnte Feldzug mit dem Rot wird trotzdem weitergeführt werden.

 

 

Gemeindeauftritt im auf die rechts geschilderten Begebnisse ("Eine verhinderte Ausstellung") folgenden Jahr (2007)