reine kreativität
Ich bin [nicht] Nichts im Sinne der Leerheit, sondern das schöpferische Nichts, das Nichts, aus welchem Ich selbst als Schöpfer Alles schaffe. MAX STIRNER, 1844
— Das ist die Kunst, frei zu sein. —
Eine r e i n e Kreativität entspricht rundweg der Konzeption der Reinheit von Walter Benjamin, wie sie vom Herausgeber der italienischen Ausgabe der Gesammelten Werke Benjamins, Giorgio Agamben, 80 Jahre nach diesem rechts- und geschichtsphilosophischen Autor und Kunsttheoretiker anhand dessen Thesen in dem Essay Zur Kritik der Gewalt (1921) im Hinblick auf den dort "wesentlichen Terminus technicus" (Agamben 7, S. 73) — "rein" — verstanden und expliziert wird:
"Im Januar 1919, also etwa ein Jahr vor der Abfassung des Essays, sehen wir Benjamin in einem Brief an Ernst Schoen, der Motive aufnimmt und weiterentwickelt, die er zuvor schon in einem Aufsatz an Stifter ausgearbeitet hatte, mit großer Sorgfalt dasjenige bestimmen, was er unter Reinheit versteht, nämlich 'dass es ein Irrtum sei, eine in sich bestehende nur der Bewahrung bedürftige Reinheit irgendwo vorauszusetzen [...]. Die Reinheit des Wesens ist niemals unbedingt oder absolut, sie ist stets einer Bedingung unterworfen. Diese Bedingung ist verschieden je nach dem Wesen um dessen Reinheit es sich handelt; niemals aber liegt diese Bedingung in dem Wesen selbst. Mit anderen Worten: die Reinheit jedes (endlichen) Wesens ist nicht von ihm selbst abhängig [...]. Für die Natur ist die ausserhalb ihrer selbst liegende Bedingung ihrer Reinheit die menschliche Sprache.' (Benjamin, Briefe; Frankfurt am Main: Suhrkamp 1966, S. 206)"
Agamben führt weiter aus (und ich zitiere in voller Länge, da an dieser Stelle des Buches "Ausnahmezustand" — eine Lektüre, der ich auch den Aufschluß über den Grund meines wachsenden Unbehagens gegenüber der deutschen Fahne Schwarz-Rot-Gold von 1848 verdanke, die in semantischer Hinsicht wegen der in ihr gegen die Regeln der Heraldik getroffenen Gewalt-Konstellation, dem Ineinanderschieben der die historischen Komponenten der Rechtsordnungen des Okzidents, auctoritas und potestas, das Dispositiv eines Ausnahmezustands par excellence bezeichnen, da sie sich hier gegenseitig indeterminieren — die in dem Werk Neue Form darzustellende Lösungsidee entstand): "Diese nicht substantielle, sondern relationale Konzeption der Reinheit ist für Benjamin so wesentlich, dass er im Essay von 1931 über Kraus noch einmal schreibt, 'nicht Reinheit' stehe 'im Ursprung der Kreatur, sondern die Reinigung' (Benjamin, Karl Kraus; 1931, S. 365). Das bedeutet, dass die Reinheit, um die es im Essay von 1921 geht, keinen substantiellen Charakter hat, der zur gewaltsamen Aktion an sich gehört — dass, mit anderen Worten, die Differenz zwischen reiner Gewalt und mythisch-rechtlicher Gewalt nicht in der Gewalt selbst beheimatet ist, sondern in ihrer Beziehung zu etwas ausser ihr. Was diese äussere Bedingung ist, wird zu Beginn des Essays deutlich ausgesprochen: 'Die Aufgabe einer Kritik der Gewalt lässt sich als Darstellung ihres Verhältnisses zu Recht und Gerechtigkeit umschreiben.' (Benjamin, Zur Kritik der Gewalt) Auch das Kriterium der 'Reinheit' der Gewalt läge folglich in ihrer Beziehung zum Recht (das Thema Gerechtigkeit ist im Essay tatsächlich nur in Bezug auf die Zwecke des Rechts behandelt).
"Benjamins These lautet, während die mythisch-rechtliche Gewalt immer Mittel zum Zweck sei, sei reine Gewalt nie einfach das — berechtigte oder unberechtigte — Mittel zum (gerechten oder ungerechten) Zweck. Die Kritik der Gewalt bewertet nicht die Gewalt in bezug auf die Zwecke, die sie als Mittel verfolgt, sondern sie sucht 'nach einem Kriterium, einer Unterscheidung in der Sphäre der Mittel selbst, ohne Ansehung der Zwecke, denen sie dienen' (Ebd.).
"Hier zeigt sich das Thema — das im Text zwar nur für einen Augenblick, aber doch lang genug aufscheint, um die gesamte Schrift zu erhellen — der Gewalt als 'reinem Mittel', d. h. als Form einer paradoxen 'Mittelbarkeit ohne Zwecke': einem Mittel also, das, auch wenn es ein solches bleibt, unabhängig von den Zwecken betrachtet wird, die es verfolgt. Das Problem ist dann nicht, gerechte Zwecke auszumachen, sondern vielmehr 'eine Gewalt anderer Art' zu entdecken, 'die dann freilich zu jenen Zwecken nicht das berechtigte noch das unberechtigte Mittel sein könnte, sondern überhaupt nicht als Mittel zu ihnen, vielmehr irgendwie anders sich verhalten würde' Ebd.).
"Wie ist dieser irgendwie andere Bezug zu einem Zweck beschaffen? Es dürfte angebracht sein, auch auf den Begriff eines Mittels, das 'rein' ist, die Betrachtungen zu beziehen, die wir soeben in Bezug auf die Bedeutung dieses Terminus bei Benjamin angestellt haben. Das Mittel verdankt seine Reinheit nicht einer spezifisch intrinsischen Eigenschaft, die es von rechtlichen Mitteln unterschiede, sondern seiner Beziehung zu ihnen. (...)" (Agamben 7, S. 73f)
Das Werk Neue Form kündet — gerade weil es den Blick auf die "Durchbrechung [des] Umlaufs im Banne der mythischen Rechtsformen [— die Gewalt als rechtsetzende und rechterhaltende —], [die] Entsetzung des Rechts samt den Gewalten, auf die es angewiesen ist wie sie auf jenes, zuletzt also der Staatsgewalt" (Benjamin 1, S. 64) freigibt und dieses ent-setzende Ereignis in einem reinen, von einem tantrischen, d. h. eben offenen, hinsichtlich der metaphysischen Tradition des Abendlandes neuartigen Zusammenhalt geprägten Werk zu manifestieren vermag — von einer solch freien Kreativität, wie sie dann der "Gewalt als 'reinem Mittel', d. h. als Form einer paradoxen 'Mittelbarkeit ohne Zwecke'" (Agamben, s. o.) entspricht ... und nicht einer unbedingten "individuellen Kreativität", die immer das Fressen derjenigen Gewalt bleiben wird, "die Mittel zur Setzung des Rechts ist, den eigenen Bezug zu diesem nie entsetzt und so das Recht als Macht inthronisiert, das 'notwendig und innig an sie gebunden bleibt' (Benjamin 1)" (Agamben 7, S. 75)
Es kommt also nicht von ungefähr, dass das Werk Neue Form — um buchstäblich jeden Preis — von Juristen gestohlen bzw. enteignet werden, die Unterschlagung der Original-Werkdatei rechtsmissbräuchlich nach CDU-Verwaltungsrichter-Gutsherrenart gedeckt, mit falschen Siegeln niedergeknutet und unter falschen Etiketten verdreht, sowie schließlich gänzlich annektiert werden soll.
"(Reine Gewalt) exponiert und unterbricht die Verbindung von Recht und Gewalt und kann so letztlich nicht als Gewalt erscheinen, die regiert und ausübt ['die schaltende'], sondern als Gewalt, die rein handelt und manifestiert ['die waltende']" (Ebd.) Bei Benjamin klingt das direkt wie eine Lanze für die freie Kreativität der Kunst (oder, wie Alain Badiou es zu Beginn des neuen Jahrhunderts sagt, für die affirmative Kunst): "Ist aber der Gewalt auch jenseits des Rechtes ihr Bestand als reine unmittelbare gesichert, so ist damit erwiesen, dass und wie auch die revolutionäre Gewalt möglich ist, mit welchem Namen die höchste Manifestation reiner Gewalt durch den Menschen zu belegen ist. Nicht gleich möglich noch auch gleich dringend ist aber für Menschen die Entscheidung, wann reine Gewalt in einem bestimmten Falle wirklich war. Denn nur die mythische, nicht die göttliche, wird sich als solche mit Gewissheit erkennen lassen, es sei denn in unvergleichlichen Wirkungen, weil die entsühnende Kraft der Gewalt für Menschen nicht offen zutage liegt. Von neuem stehen der reinen göttlichen Gewalt alle ewigen Formen frei, die der Mythos mit dem Recht bastardisierte. Sie vermag im wahren Kriege genauso zu erscheinen wie im Gottesgericht der Menge am Verbrecher. Verwerflich aber ist alle mythische Gewalt, die rechtsetzende, welche die schaltende genannt werden darf. Verwerflich auch die rechtserhaltende, die verwaltete Gewalt, die ihr dient. Die göttliche Gewalt, welche Insignium und Siegel, niemals Mittel heiliger Vollstreckung ist, mag die waltende heissen." (Benjamin1, S. 64)
Die selbsternannten Katechonten des Abendlandes, die Aufhalter der Zeit und damit der Evolution — der deutsche Rechtsphilosoph und, mit einem schönen Wort von Giorgio Agamben, Apokalyptiker der Gegenrevolution, Carl Schmitt, sah sich als einen solchen (Vgl. "Katechon" und "Anarch", von Bernd A. Laska), und der ehemalige CDU-Verwaltungsrichter Dr. Theo Zwanziger beliebt sich auch als ein solcher zu gerieren, während er sich die Taschen mit dem dringlich aufgehaltenen und konfiszierten Gut per Neuauflage aus falscher Hand vollmacht, ganz wie der jahrzehntelange Vorsteher der Heiligen Inquisition und heutige Papst aus Deutschland auch in dieser Rolle sein Bestes zu geben versucht, während er sogar von der deutschen Bischofskonferenz für seine jedweder Kritik an der gängigen Wirtschaftsjuristenkleptokratie baren Enzykliken kritisiert wird — entpuppen sich freilich im Zeitalter einer sich vollendenden Weltgesellschaft als der Antichrist, der sie, jeder für sich, selbst sind: "Was ist das Grausige an ihm? Warum ist er mehr zu fürchten als ein mächtiger Tyrann...? Weil er Christus nachzuahmen weiss und sich ihm so ähnlich macht, dass er allen die Seele ablistet." (Carl Schmitt in seiner frühen Schrift Theodor Däublers "Nordlicht", S. 61)
Die von Paulus, dem apostolischen Berichterstatter, als die komplementären Wesensmerkmale des von ihm erstmals, im 2. Abschnitt seines 2. Briefes an die Thessalonicher, genannten Katechon, dem Aufhalter des Widersachers Christi (Antichrist), beschriebenen Eigenschaften haben sich — zumindest im Falle Zwanziger und der vom Verfasser bis in die letzten Winkel beweiskräftig ausgeleuchteten Rolle, die dieser CDU-Verwaltungsrichter bei der Fahnenmotiv-Zensur-, -Raub-, -Verschiebungs- und Betrugsaffäre spielt — längst auf die falschen Aufhalter verschoben, die also jetzt selbst diese Zeichen des Antichrist tragen: "er setzt sich [bzw. seinen Verbandskuckuck] an die Stelle Gottes, und er versteckt sich [...] hinter einer täuschenden Fassade" (nach Bernd A. Laska, S, 37)
Wo sich solcher Filz von Recht und Gewalt nicht nur als nahezu unauflösbar erweist, sondern seine mit den Mitteln der Kunst vorgeschlagene, auf dem Schachbrett der Geschichte (selbst wenn es für alle Zeiten verborgen bleiben sollte) bereits siegreiche, individuelle Auflösung heimtückisch und mit feiger Übermacht meuchelt, hat sich das politisch-rechtliche System bereits wieder in eine tödliche Maschine verwandelt.
der deutsche gedanke und die deutsche staatsidee

- Immanente Ausnahme 0.IV (giaconda) 1992 P. Hauf
"Die deutsche Staatsidee hat den deutschen Gedanken zerstört. [...] Der deutsche Geist, die deutsche Intelligenz: Unter Franzosen und selbst unter Deutschen wird man lächeln. Gibt es das? Ist es kein Widerspruch in adjecto? Und doch gilt es, hier ernst zu bleiben. Was ist die Intelligenz eines Landes? Die geistige Elite, jene seltenen und wenigen Menschen, die ihre Erkenntnisse und deren Resultate kommunizieren zum Zweck einer höheren Vernunft. Jene geistige Gesellschaft oder Partei, deren höhere Vernünftigkeit sie veranlasst, ihre Kenntnisse, Gedanken und Erfahrungen dem Volksganzen zuzuwenden, aus dem sie kommen; jene intellektuelle Verzweigung, die in ihren bewusstesten und höchsten Vertretern nach geheimen umfassenden Gedanken lebt und handelt; in aller Öffentlichkeit der Presse, der Straße oder des Parlaments sich dokumentiert und der Menschheit Ziele setzt, Wege zeigt, Hindernisse hinwegräumt in Voraussicht des Tages, da alle vernünftigen Wesen nach dem Worte des Origines in einem Gesetze vereinigt werden." HUGO BALL
Wir werden sehen, um was es sich bei diesem einen Gesetz handelt, das bislang kaum jemand zu formulieren begabt genug war. Max Stirner (1806-1856), eigentlich Johann Caspar Schmidt, hat es auf deutsch gesagt: "Ich hab mein Sach' auf Nichts gestellt." Der deutsche Gedanke, der mit der-Himmel-weiß-was zu tun hat, jedenfalls aber nichts mit Volk und Rasse, ahnt von jeher jene Einheit der Ganzheit — ob er es dabei auch schafft, sie wirklich zu erkennen und auch zu begreifen, bleibt dabei noch offen; das wäre die Aufgabe, die jedem Einzelnen gestellt ist — ganz egal, wo auf diesem Planeten er oder sie sich befindet und welche Farbe zum Beispiel gerade die Haut hat ...
Das, was die Besten in aller Welt begreifen, das nennt man in Deutschland den deutschen Gedanken, noch bevor man ihn erkannt und begriffen hat; um ihn dennoch, da er sich nie ganz ausmerzen lässt, in jenes deutsche Universalreich einzuheimsen¹, das freilich immer bloß ein Staat um des Staates willen blieb, um ihn zu 'integrieren' — wenigstens proforma und gerne auch posthum².
Den nächsten, der nämlich kommt, und der, die, oder das den deutschen Gedanken nicht nur erkennt, sondern auch begreift, kann man dann wieder isoliert verfrühstücken. Dies ist die Ambivalenz des deutschen Gedankens; schon immer gibt es in ihm diese andere Seite, die in dem Moment im Namen des "Staates" (oder seinerzeit, als dieser Begriff noch nicht existierte, im Namen des "Reichs") zuschlägt, in dem irgendwo, egal auf welchem Gebiet, jenes Erkennen und Begreifen stattfindet.
"Deutschland ist die lebendigste Demokratie in Europa" (Jean Ziegler, Herbst 2009) — noch, vielleicht, so muss es wohl heissen; denn die heute nicht zuletzt auch dank des deutschen Staates die Welt beherrschende euro-atlantische Tyrannei greift, wie die Geschichte mit dem unterschlagenen und vergewaltigten Projekt Neue Form deutlich und schmerzhaft zeigt, mit aller Gewalt gerade diese (keineswegs sonderlich gefestigte, sondern nur auf einer mehr oder weniger profunden Kenntnis jener anderen Seite des deutschen Gedankens beruhenden) "Demokratie" in ihrem Innersten, in ihrer Freiheit skrupellos an: Die Macht annektiert das Recht — für sich allein.
Hugo Ball, der wohl unbekannteste Solitär deutschen Geistes, Begründer oder Kristallisationspunkt der Dada-Bewegung 1916 im Zürcher Exil, fährt an der oben zitierten Stelle (Ball 1, S. 38) fort:
"Was unterscheidet die große Menge des Landes von seiner Intelligenz? Der Mangel an Überzeugung, an Sachlichkeit, an historisch bedingten Zielen und wohl an Verantwortung. Vor allem aber der Ausschluss aus jener gütigen Konspiration der Geister, die ich die Kirche der Intelligenz nennen möchte, jener Gemeinschaft der Auserwählten, die zugleich Freiheit und Heiligung in sich tragen; die den Kanon der Menschheit und Menschlichkeit aufrechterhalten und über Jahrhunderte weg zwischen Schimären, Tierleibern, Fratzen und Höllenspuk das Urbild des Schöpfers wahren."
"Das Urbild des Schöpfers" ist natürlich eine Metapher; und sie stellte schon immer die größte Herausforderung und die gefährlichste Falle, das sogenannte "Beinahe-Erreichen" für alle menschlichen Geister ungeachtet ihrer Herkunft und ihres Wohnortes, ihrer theologischen, spirituellen oder philosophischen Schulung oder Richtung dar; das letzte Hindernis, das zumeist das Scheitern jener "Auserwählten" und ihre fortgesetzte Höllenfahrt in Niederschlagung, Beraubung, Zersplitterung und Verzweiflung markiert. Dann können sie mit Brecht sagen: "Gekämpft hab' ich mit Löwen | Getrotzt hab' ich des Tigers Zahn | Gefressen haben mich die Wanzen."
Es existiert tatsächlich nur eine einzige Schule — seit Jahrhunderten auf das Eifersüchtigste durch den Vatikan fern jeder Kenntnis im Abendland gehalten — auf der ganzen Welt (die eine Hochblüte im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert unserer Zeitrechnung erlebte), die sich das Meistern dieser Hürde auf die Fahne schreiben darf, und man nennt sie korrekt die profundeste Lehre. Sie jedoch zur Gänze zu verstehen, dazu muss man geboren sein. Einstweilen fährt Ball fort:
"Die Mentalität der Menge: das ist eine Summe von Ziel- und Ratlosigkeit, von Verzweiflung und kleiner Courage, von Opportunismus und Weichlichkeit, von verkappter Sentimentalität und überhobener Arroganz. Die Mentalität der Menge: das ist ihr schlechtes Gewissen, das sind ihre Fälscher und Wortverdreher, ihre "jahraus jahrein galoppierenden Federn" und Denunzianten, ihre Spitzel und Rabulisten, ihre Großmäuler, Demagogen und Faselhänse. Ein heilloses Konzert! Eine Orgie seltsamer Verzerrung! Wehe dem Land, wo solche Mentalität den Geist überschreit, aber dreimal wehe dem Land, wo sie allein nur herrscht und sich selbst für den Geist hält. Verhärtung, Zerrissenheit, Korruption verhindern das Maß und die Norm; Tobsucht und Wut sind Trumpf. Solch Land ist verloren und weiß es nicht."
Die letzten beiden Sätze dieser Kritik der deutschen Intelligenz von 1919 können als Prophetie gelten, was Deutschland anbelangt, und daran hat sich — ohne die geringste Unterbrechung — bis heute nichts geändert; gerade die Vorgänge um die Denunziation, Unterschlagung, Verschiebung, Zersetzung, Verfälschung und Falschvorlage des Projektes Neue Form — das die Epoche der Ununterscheidbarkeit von Regel und Ausnahme, die seit 160 Jahren andauernde und herrschende Selbstverschlingung jeder Regel in Deutschland überwunden und an sich beendet hat — liefert dafür den aktuellsten Beweis.
Das deutsche Innenministerium wird langsam nervös, dass noch 20 Jahre nach der glorreichen Wiedervereinigung kein rechter Glorienschein in der Bevölkerung aufkommen will: Um diesen Schein zu inszenieren, kam ihm das Werk Neue Form gerade recht; jedenfalls beruft sich der Herr Dr. Theo Zwanziger, ein CDU-Funktionär, wenn's für ihn eng wird, auf ein ominöses "Schreiben" (das noch kein Mensch gesehen hat) des (bis Herbst 2009 offiziell amtierenden) deutschen CDU-Innenministers, Dr. Wolfgang Schäuble; es würde darin "seine" — also doch irgendwie abartige — "Gesellschaftspolitik" pauschal legitimiert.
Seit tausend Jahren hat der deutsche Gedanke unter der furchtbarsten, allen freien Geist systematisch zerreissenden Theokratie zu leiden, und diese ist es, die heute frisch aufpoliert und generalstabsmäßig per Propaganda und Agitation, per "Transmissionsriemen eines politischen Willens, (...) Mobilisierungs- und Stabiilisierungspropaganda" (Grit Hartmann), gegen ihn in Stellung gebracht wird: Ein weiteresmal aus dem Lehrbuch der Unterdrückung hervorgezaubert und von einer abhängig-hörigen, dafür freilich schön monopolistischen "deutschen Kultur- und Kreativwirtschaft" (Jahresumsatzvolumen, etwa 2004, immerhin 14 Milliarden €uro) wieder in den Dienst des national segmentierten, international agierenden und terrorisierenden, absolut gewissenlosen Finanzkapitals und seiner nationalen Chef-Demagogen gestellt.
Ob die hier auf dieser Website geschilderten Vorgänge etwas — und sei es bloß unter den nie ganz selbstlosen Vorzeichen jenes berühmt-berüchtigten deutschen vorauseilenden Gehorsams — damit zu tun haben, dass die politische Karriere der heutigen deutschen Kanzlerin Angela Merkel ihren Ausgangspunkt in der DDR-Jugendabteilung FDJ für Agitation und Propaganda hatte?
Die deutsche Geschichte hatte einst damit begonnen, dass Otto I. sich im Jahr 962 vom Papst die Kaiserkrone erzwang, und das 'Heilige römische Reich Deutscher Nation' per translatio imperii-Doktrin als Universalreich entstand — und sie erfuhr ihr größtes Schisma, als der Mönch Luther die päpstliche Autorität dann Anfang des sechzehnten Jahrhunderts auf die deutschen Landesfürsten übertrug. Derlei — in Deutschland noch dazu also zweigleisig — fortgesetztes Spiel der Theokratie ist es in erster Linie, das seither jenen "deutschen Gedanken" unausgesetzt, ideologisch und — nach wie vor mittelalterlich, was sonst — systematisch depraviert, um der Untertanenschaft seinen entkernten, jeglicher wahren Potenz beraubten Verschnitt an Zerrissenheit dann wieder in seiner jeweilig opportun erscheinenden Form der autoritär postulierten "Einheit" der (inneren und äusseren) nationalen Vielheit (wenn nicht gleich ganz zur gerade emittierten Währungseinheit) — per Agitation und Propaganda, per Entmündigung und Bevormundung — umgemünzt aufzuzwängen.
Wer die nicht kauft, nicht auf ihre jeweilige Fahne schwört, ist draussen; wer nicht an den verstellten Glauben Deutschland glaubt, an seine Bannkraft, seine gottesgleiche Souveränität (die, wie wir hier erleben, heute auf "König Fußball" transponiert wird, weil die Demographie herausgefunden hat, dass dem die Massen am zugleich zahlreichsten und unbewusstesten nachlaufen), ist Ketzer, Hexe, Staatsfeind, wird verfolgt, verbrannt, geschunden und vernichtet. Seit tausend Jahren. Heute hinter der Fassade des Fußballs und morgen hinter der des "Staatssports" unter falscher Flagge — wenn das in seiner Monstrosität bzw. in seiner Hohlheit überhaupt noch zu fassen ist.
Kaum, dass es noch jemand anders kennt und auch ... begreift.___________________________________
¹Im Falle der neuen Fahne Neue Form heisst die zu diesem Zweck ausgeheckte und vom Stapel gelassene Intrige bezeichnenderweise gleich 'Heimspiel'.
²Zu dieser landläufig gewordenen Unsitte siehe auch das Thema 'Beiläufiges'.
cyberevolution
Make the Secrets productive! JOSEPH BEUYS
_Schöpfung• Cyber ist ein griechisches Präfix und bedeutet Steuerung — ursprünglich die Steuerkunst des Seefahrers.
• Gegenstandslos: Jede neue Idee verlangt die ihr gemäße neue Form. (...) Etwas wahrhaft Neues findet für seinen neuen Inhalt auch eine neue Form. KASIMIR MALEWITSCH, 1924
• Potenzial: Die Frage nach einer nicht staatlichen Politik hat nämlich notwendig die Form: Ist heute möglich, ja gibt es heute etwas wie eine Lebens-Form, das heisst ein Leben, dem es in seinem Leben um das Leben selbst geht, ein Leben der Potenz? GIORGIO AGAMBEN 1, S. 17
Im Zeitalter der sich vollendenden Weltgesellschaft gibt es keinen Ausweg mehr für das, was dem Denken aufgegeben ist.
Die inoffizielle Unterscheidung zwischen "deutsch" und "Deutschland", um die es im Grunde jedoch dabei immer ging, schien bislang (für die poetisch nicht Erschütterbaren zumindest) absurd — doch genau diese Unterscheidung muss und kann jetzt an sich aufgrund des europäischen Entwicklungsprozesses offiziell getroffen werden, wenn Deutschland — und mit ihm der gesamte Westen — aus der Falle (der metaphysischen Tradition des Abendlandes) entkommen will, in der es sitzt, und die ganz einfach in einer schier unüberwindlich scheinenden, von einem als Objekt irgendwo da draussen eingebildeten "Gott" exklusiv schattensonnig beschienenen (also die letzte, "wahrhaftige" Deckung auf die Währungen der Oberbanker des Westens und ihrer Zockermentalität "im rechten Glauben", genau wie die Legitimierung des Souveränitäts- und damit auch gleichzeitig des Herrschaftsprinzips vortäuschenden), metaphysischen Eigenbrötelei besteht (die wiederum allen tyrannischen Demagogen ihre furchtbare Legitimation sowie ihre gleichermaßen überwältigende Gefolgschaft beschert).
Das Problem bestand und besteht immer darin, dass sich die mittels einem ihrer Gewalt unterworfenen Recht regierende Verwaltung des Landes — mitsamt ihren von autoritärer, dogmatischer Religion sowie von Spielen und Krumen geblendeten Anhängern — nach einer gewissen Zeit, in der man "proaktiv" Gras über die letzte einschlägige Katastrophe wachsen ließ, zu einer entfesselten Exekutive aufwirft, die — vorbildlich — nicht genug bekommen kann, dann die Gelegenheit zu der offiziellen Erkenntis ergreift, welch Nachahmungsdrang hier bei den von ihr selbst entfesselten Bestien herrscht, und somit alleine, diktatorisch herrschen will. Demokratie hin oder her: sie wird ebenso durch Wahlen wie durch den herrschenden Wahnsinn legitimiert werden. Alle Opposition und aller gute Geist wird (wieder einmal) "im Namen des Volkes" ausgerottet bzw. zensiert. Nur die Endlichkeit des Planeten steht noch im Weg, und diese "wird nicht einmal ignoriert"
Es herrscht Neofeudalismus — legitimiert durch Wahlen und wahlweise Irr- oder Wahnsinn. Nach wie vor wird — im Zeitalter der Atombombe — auf die militärische Option gesetzt. Die ultima ratio bleibt die — von "höheren Mächten" (was wären die Staaten dieser Welt ohne diese je gewesen?) "garantierte" — Gewalt. Der Staat, wie seine von den eigenen Fiktionen gebannten Insassen auch, sind — ob sie es wissen oder nicht — heute wieder fast ausschließlich zu eng eingestellten Maschinen verkommen, die ihr Heil allein in grenzenloser materieller Expansion suchen (und unter diesen von der herrschenden Kommunikationstyrannei in einem weltweiten wirtschaftspolitischen Experiment erzwungenen Umständen suchen müssen).
Dieser Starrsinn wird sich bitter rächen; denn er widerspricht der Endlichkeit des Planeten ebenso wie der Unendlichkeit des Lebens.
Der Mensch selbst hat — von allen Institutionen genau wie von seinen Nachbarn im Stich gelassen — keine funktionierende Lobby. "Der Kampf um das Menschenbild, der Kampf für eine menschliche Kultur wird immer nur von einzelnen Menschen geführt und wird stets bedroht von der Bestie im Menschen." (K. Malewitsch, 1922) Die Kirchen verkaufen ihn an die jeweilige Macht, die die Kirchen dafür finanziert; die Macht macht ihn mit ihrer "Staatsräson" nieder: Gerade darauf gründet sich der Staat (was den Verfassern des deutschen Grundgesetzes nach der Erfahrung mit dem Nationalsozialismus noch lebendig vor Augen stand, jetzt aber wieder systematisch von jenen selbsternannten Kommunikationsherrschern unterschlagen wird — ganz genau wie das Werk Neue Form von ganz genau denselben Gangstern unterschlagen wird und zur weiteren, unendlichen, massenbetrügerischen Manipulation annektiert werden soll).
Es scheint keinen Ausweg aus der alten, blutigen Tretmühle zu geben — bis auf den Cyberspace, den die Kommunikationsherrscher — in Deutschland allen voran Wolfgang Schäuble & Co., Frau von der Leyen, Theo Zwanziger, Thomas Bach, Holger Jung und Jean-Remy von Matt — bereits voll, per Troja immer wieder mit dem selben Schema erobernder Strategie, in ihr Manipulationsvisier genommen haben, um ihr nächstes halsbrecherisches Katastrophenprojekt über das in der Zensur bzw. Zerschlagung des Internet wiederhergestellte Informationsmonopol um jeden Preis durchzusetzen: Eine polemische, neofeudalistische europäische Präsidialrepublik nach den (Pseudo-)Maßgaben der (de facto rechtsextremen) deutschen Unionsparteien sowie der angeschlossenen "Liberalen" bzw. aller anderen Parteien des Kapital- Parlamentarismus (Badiou). Das bedeutet einen rücksichtslosen biopolitischen Kahlschlag nach dem historischen "Vorbild" der Nazis, nichts anderes, der um keinen Preis bereit ist, den denkerischen Defekt des Abendlandes, das Defizit in seiner metaphysischen Tradition, anzuerkennen.
Ein Neues System überwindet diese Unzulänglichkeit, indem es mit dem evolutionären, von keiner Konzeption zu bestimmenden, vektoriellen "Faktor" der gegenstandslosen Freiheit, der die Dynamik des Seins ist, die überlebte Definition des Begriffs System selbst evolutionär übersteigt.
Der Cyberspace ist damit das wertvollste Kulturgut, das dem Menschen heute allgemein bewusst ist. Die Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace wurde 1996 von John Perry Barlow verfasst: Die Neue Form erklärt sich — aus guten Gründen — zur überparteilichen Freundin dieser Unabhängigkeitserklärung im Namen der cyberevolution.
Diese Traditionslinie hat keinen Grund, auf dem sie aufläge, und keine Wurzel, aus der sie wüchse; sie übersteigt Deutschland, Kaiser und Papst, um von der Dimension des Denkens des Denkens zu künden (was die Demagogen jeweils und um jeden Preis zu verhindern trachten).
Die Cyberevolution, das Neue System, die Neue Form, verdankt sehr viel dem Lebenswerk eines freiwillig ins Exil gegangenen, großen, aber hierzulande kaum bekannten Deutschen, Herbert Vignant Guenther (der ausschließlich in Englisch, der lingua franca der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, publizierte) mit seinem Spürsinn, seiner spirituellen Unbestechlichkeit (die ihn Deutschland verlassen ließ), wie seiner vielsprachigen Expertise hauptsächlich im Hinblick auf "die profundeste Lehre" (atiyoga, Tib. rDzogs-chen). Herbert V. Guenther teilte übrigens seine Vorliebe für Martin Heideggers philosophisches Werk mit Giorgio Agamben, ohne dessen ausgedehnte, profunde, oft mit großem Gewinn auch auf das rechtsphilosophische Werk von Walter Benjamin zurückkommende Untersuchung zum Souveränitätsprinzip und dem Ausnahmezustand — der zentralen Grundlage abendländischer Politik — die Neue Form überhaupt nicht entstanden wäre.
Als Neues System, als neuartiges, die cyberevolution (siehe: Offene Systeme; Evolution; etc.) darstellendes System geht sie allerdings über alle bisherigen und zukünftigen religiösen wie politischen Identitäten hinaus, indem sie ein umfassenderes Verständnis von Spiritualität favorisiert. Ihr Ziel ist die kommende Gemeinschaft, in die sie diejenigen Deutschen, die bemerken, dass sie dem 'Ausnahmezustand', der zur Regel geworden ist (W. Benjamin), hilflos ausgeliefert sind, von Deutschland befreit.