neue form

die vektorfahne © p. hauf 2007-2010

Schwarz-Gelb. Im übertragenen Sinn das normativ-rechtliche Element potestas in den deutschen Farben — bzw. die Gruppe; politische Existenz (in der Gewalt über die Macht des — durch Ausschluss einschließenden — souveränen Banns).

 

Rot. Im übertragenen Sinn das anomisch-metarechtliche Element auctoritas in den deutschen Farben, besetzt von der und durch die katholische Michaels-Dogmatik (vgl. Text rechts, sowie 'Die Kirche Michaels' und der 'Eid Aqae') — bzw., im wirklichen Leben, eben die Farbe des somit von jener Dogmatik annektierten 'nackten' (Giorgio Agamben), 'bloßen' (Walter Benjamin), 'einfachen' (Carl Schmitt) Lebens; eigentlich jedoch die Symbolfarbe der profundesten Lehre über den rätselhaften "Kern" der zōé, "die natürliche Annehmlichkeit" — deren politische Definition bzw. das Erkennen des Politischen als deren wertvollster, eigentlichster Kern gerade im Rahmen der metaphysischen Tradion des Abendlandes schlichtweg unmöglich ist und es auch bei sich dadurch zwangsläufig und ständig wiederholender Katastrophe bleiben wird, wenn ... die selbsternannten Kommunikationsherrscher und Welterlöser nicht besiegt werden.

Siehe auch: Das Geheimnis des Rot

 

visuelle kommunikation

Die deutsche Fahne Schwarz-rot-gold stellt einen Bruch (mit Zähler, Schranke und Nenner) dar, bei dem die jeweilige, kompress angelegte Grenze zwischen der roten Schranke und der alten, schwarz-gelben Gruppe "den [unvermittelten] Bruch zwischen zōé und bíos, zwischen Stimme und Sprache" (Agamben 2, S. 21), zwischen 'einfachem' und 'politischem' Leben markiert, in dem "das nackte Leben (...) in der Form der Ausnahme eingefasst (bleibt), das heisst als etwas, das nur durch eine Ausschließung eingeschlossen wird." (Ebd.)

Daher kann (vielleicht allein) in der Sprache der visuellen Kommunikation, in einem Entsatz des so gelagerten Rot, welcher jedoch die Trennung vermeidet (indem er alle drei Farben in einem einzigen Farbgradienten erfasst und zusammenhält), gerade das gelingen, was "der Politik in der Ausführung ihres metaphysischen Auftrags [im Rahmen der abendländischen Tradition], der sie zunehmend die Form einer Biopolitik hat annehmen lassen, nicht gelungen" (Ebd.) ist, nämlich eben "die Verbindung herzustellen, die den Bruch zwischen zōé und bíos, zwischen Stimme und Sprache hätte überwinden sollen." (Ebd.)

Eigenartigerweise wird gerade durch diesen Schritt auch der Bereich der visuellen Kommunikation überschritten werden, und "nichts mehr" wird kommuniziert werden in dem Sinn, dass nichts mehr sichtbar gemacht wird, von dem der Westen behauptet, dass es existiert — nämlich eine immanente Ausnahme als reines Ereignis.

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verkoppelung | verkuppelung

"In unserer Kultur ist der Mensch immer als Trennung und Vereinigung eines Körpers und einer Seele gedacht worden, eines Lebewesens und eines lógos, eines natürlichen (oder tierischen) und eines übernatürlichen, sozialen oder göttlichen Elements. Wir müssen hingegen lernen, den Menschen als Ergebnis der Entkoppelung dieser zwei Elemente zu denken und nicht das metaphysische Geheimnis der Vereinigung, sondern das praktische und politische der Trennung zu erforschen." (Giorgio Agamben 6

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faktizität gegen faktum - und umgekehrt

"Wahrhaft politisch ist indessen nur solches Handeln, das den Bezug zwischen Gewalt [violenza] und Recht rückgängig macht. Und nur vom Raum aus, der sich so öffnet, wird es möglich sein, die Frage nach einem eventuellen Gebrauch des Rechts nach der Deaktivierung des Dispositivs zu stellen, des es — im Ausnahmezustand — an das Leben band." (Giorgio Agamben 7, S. 104)

Der kommunikative Unterschied zwischen der üblichen deutschen Fahne und der Fahne Neue Form könnte größer nicht sein: Wo die Neue Form den Raum öffnet und es vermag, die Faktizität der immanenten Ausnahme darzustellen (d. h. nichts mehr zu kommunizieren), hält die alte deutsche Fahne jede Offenheit mit dem Faktum der Gewalt — der Philosophie des Faktums — nieder.

"Auf der Entsetzung des Rechts sowie der Gewalten, auf die es angewiesen ist wie sie auf jenes, zuletzt also der Staatsgewalt, begründet sich ein neues geschichtliches Zeitalter." (Walter Benjamin 1, S. 63) Grundstürzend neu: die Neue Form revolutioniert die Farben.

 

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