
Schwarz-Gelb. Im übertragenen Sinn das normativ-rechtliche Element potestas in den deutschen Farben — bzw. die Gruppe; politische Existenz (in der Gewalt über die Macht des — durch Ausschluss einschließenden — souveränen Banns).

Rot. Im übertragenen Sinn das anomisch-metarechtliche Element auctoritas in den deutschen Farben, besetzt von der und durch die katholische Michaels-Dogmatik (vgl. Text rechts, sowie 'Die Kirche Michaels' und der 'Eid Aqae') — bzw., im wirklichen Leben, eben die Farbe des somit von jener Dogmatik annektierten 'nackten' (Giorgio Agamben), 'bloßen' (Walter Benjamin), 'einfachen' (Carl Schmitt) Lebens; eigentlich jedoch die Symbolfarbe der profundesten Lehre über den rätselhaften "Kern" der zōé, "die natürliche Annehmlichkeit" — deren politische Definition bzw. das Erkennen des Politischen als deren wertvollster, eigentlichster Kern gerade im Rahmen der metaphysischen Tradion des Abendlandes schlichtweg unmöglich ist und es auch bei sich dadurch zwangsläufig und ständig wiederholender Katastrophe bleiben wird, wenn ... die selbsternannten Kommunikationsherrscher und Welterlöser nicht besiegt werden.
Siehe auch: Das Geheimnis des Rot
visuelle kommunikation
Die deutsche Fahne Schwarz-rot-gold stellt einen Bruch (mit Zähler, Schranke und Nenner) dar, bei dem die jeweilige, kompress angelegte Grenze zwischen der roten Schranke und der alten, schwarz-gelben Gruppe "den [unvermittelten] Bruch zwischen zōé und bíos, zwischen Stimme und Sprache" (Agamben 2, S. 21), zwischen 'einfachem' und 'politischem' Leben markiert, in dem "das nackte Leben (...) in der Form der Ausnahme eingefasst (bleibt), das heisst als etwas, das nur durch eine Ausschließung eingeschlossen wird." (Ebd.)
Daher kann (vielleicht allein) in der Sprache der visuellen Kommunikation, in einem Entsatz des so gelagerten Rot, welcher jedoch die Trennung vermeidet (indem er alle drei Farben in einem einzigen Farbgradienten erfasst und zusammenhält), gerade das gelingen, was "der Politik in der Ausführung ihres metaphysischen Auftrags [im Rahmen der abendländischen Tradition], der sie zunehmend die Form einer Biopolitik hat annehmen lassen, nicht gelungen" (Ebd.) ist, nämlich eben "die Verbindung herzustellen, die den Bruch zwischen zōé und bíos, zwischen Stimme und Sprache hätte überwinden sollen." (Ebd.)
Eigenartigerweise wird gerade durch diesen Schritt auch der Bereich der visuellen Kommunikation überschritten werden, und "nichts mehr" wird kommuniziert werden in dem Sinn, dass nichts mehr sichtbar gemacht wird, von dem der Westen behauptet, dass es existiert — nämlich eine immanente Ausnahme als reines Ereignis.
verkoppelung | verkuppelung
"In unserer Kultur ist der Mensch immer als Trennung und Vereinigung eines Körpers und einer Seele gedacht worden, eines Lebewesens und eines lógos, eines natürlichen (oder tierischen) und eines übernatürlichen, sozialen oder göttlichen Elements. Wir müssen hingegen lernen, den Menschen als Ergebnis der Entkoppelung dieser zwei Elemente zu denken und nicht das metaphysische Geheimnis der Vereinigung, sondern das praktische und politische der Trennung zu erforschen." (Giorgio Agamben 6)
faktizität gegen faktum - und umgekehrt

"Wahrhaft politisch ist indessen nur solches Handeln, das den Bezug zwischen Gewalt [violenza] und Recht rückgängig macht. Und nur vom Raum aus, der sich so öffnet, wird es möglich sein, die Frage nach einem eventuellen Gebrauch des Rechts nach der Deaktivierung des Dispositivs zu stellen, des es — im Ausnahmezustand — an das Leben band." (Giorgio Agamben 7, S. 104)
Der kommunikative Unterschied zwischen der üblichen deutschen Fahne und der Fahne Neue Form könnte größer nicht sein: Wo die Neue Form den Raum öffnet und es vermag, die Faktizität der immanenten Ausnahme darzustellen (d. h. nichts mehr zu kommunizieren), hält die alte deutsche Fahne jede Offenheit mit dem Faktum der Gewalt — der Philosophie des Faktums — nieder.
"Auf der Entsetzung des Rechts sowie der Gewalten, auf die es angewiesen ist wie sie auf jenes, zuletzt also der Staatsgewalt, begründet sich ein neues geschichtliches Zeitalter." (Walter Benjamin 1, S. 63) Grundstürzend neu: die Neue Form revolutioniert die Farben.
"deutsches rot" | geschichte_1
"das 'deutsche' projekt"

Das immer wieder (1919, 1949, 1991) als "demokratisch" (— politologisch gesehen der größte Gummibegriff aller Zeiten, der durchaus, bei ausreichend massivem, gerne von der Propaganda geschürtem Willen zu Gewalt, Zwang und Terror, dazu in der Lage ist, Formen der Diktatur oder des speziellen "Führertums" als Figur der alten auctoritas principis, des Führerprinzips, in sich aufzunehmen —) verkaufte, in Wirklichkeit doch als romantisches deutsches Projekt an den Start gegangene (und dabei auch zurückgebliebene) "1848", auf das ein halbes Jahrhundert der Wirren und revolutionären Entwicklungen zugelaufen, und das im letzten Moment doch gescheitert war, welches dann auch noch in seiner depravierten Form (besser gesagt: aufgrund dieser Depravation) bereits ein Jahr darauf, 1849, schon wieder durch die preussische Militärregierung und das Auseinanderjagen der Zweiten Kammer, sowie die auf dem Fuße folgende Proklamation der deutschen Einheit durch dieses Regime (!) abgeblasen wurde, hatte also zunächst keinerlei Bestand gehabt.
Es ist so: Schwarz-Rot-Gold, aus alten Farben zu einer "neuen" Fahne zusammengesteckt (was übrigens in der Sache gegen die Regeln der Heraldik geschah, und deshalb ein Monster gebar), visualisiert sozusagen gattungstypisch das Dispositiv des Ausnahmezustands. Schwarz-Rot-Gold ist mitnichten der Ausdruck einer sozialen Revolution oder einer neuen Staatsidee, sondern lief (und läuft auch heute noch) den alten gesellschaftlichen Machtverhältnissen quasi ins offene Messer: Dort, wo man glaubt, die Strukturen der unterdrückerischen Obrigkeit nicht beseitigen, sondern davon ausgeht, bloß die Positionen der Macht selber besetzen zu müssen, ohne dabei zu wissen, wie man sich die Heiligung, die sich jene jeweils zu ihrem Geschäft zu verschaffen wusste, ergattert, geschieht genau das: Nach kurzer Zeit werden die angestammten Herrschaften ihren Platz an den Stellrädchen der Macht und des Gewaltbefehls wieder einnehmen, werden dorthin zurückkehren, wo sie zuhause und bekannt sind, und das Volk wird sogar eine gewisse Dankbarkeit empfinden, dass die experimentierenden Dilettanten wieder verschwunden und die alte Ordnung des alten Rollenspieles wieder eingekehrt ist.
Weshalb hätte das preussische Junker- und Feudalregime auf Dauer tatenlos mit seiner Degradierung und Entmachtung einverstanden sein sollen, wenn gerade ihr Grad an Verderbtheit noch nicht eingenommen war? Da die Führer der "deutschen Revolution", die dieses Schauspiel noch erlebten und nicht vorher umgebracht worden waren, auch bloß auf ihre individuelle Erlösung schielten und nicht auf die der Gesellschaft, wurde da in Deutschland nie etwas daraus. Lassalle und Marx hatten nichts anderes im Sinn, als den Zentralstaat zu etablieren und zu erobern, die Freiheit als solche war ihnen so fremd, dass sie sie bei jeder Gelegenheit hinopferten, es ging um nichts als Macht. Die Besten nahmen von ihnen Abstand, sie wiederum nahmen das Heft dafür nur umso fester in die Hand. Eine Überzeugung aber bildete sich so nicht heraus, die den ganzen Menschen mitnahm ... nach Deutschland.
Die Folgen sind bekannt: Deutschland scherte unter der Bismarckschen Kabinettspolitik hinter kaiserlicher Fassade aus dem Konzert der zivilisierten Mächte Europas dauerhaft aus, und trieb es in seinem preussisch-protestantischen, deutschtümlerischen Theokratiedünkel bis zum Ersten Weltkrieg, von dem man sich — durchaus kollektiv — die endgültige Vorherrschaft ... des deutschen Blut- und Gewalt-Wahnsinns versprach. Wurde man durch den in diesem Krieg herbeigeführten Totalzusammenbruch irgendwie von dieser Krankheit geheilt? Keineswegs! Der Deutsche will doch wissen, dass er recht hat, und sein Recht ist ein Metarecht, das ihm durch die Patronage des Erzengels Michael zukommt, von Alters her! Die alte Theokratie, die "Gottgegebenheit" von allem Möglichem ... das ist die deutsche Kunst, diese Illusion aufrechtzuerhalten und sich immer wieder in sie zu flüchten. Die deutsche Besonderheit ist, so gesehen, die deutsche Erbärmlichkeit, und wehe, irgendjemand erdreistete sich jemals, die Deutschen gerade daran zu erinnern! Gottes Kinder sind die Deutschen doch, eine Auswahl, ein Kindergarten der grausamsten Infantilitäten und des Reduktionismus, des Ausmerzens der Kreativität, die für den, der solche Kunst mit der Muttermilch eingesogen hat, das Böse, die Konkurrenz an sich ist. Jener Michael, der den fiktiven Garanten für die deutsche Auswahl darstellt, der die deutsche Autorität als die dunkle Chimäre verkörpert, die zumeist unerkannt das Land lenkt und in ihm richtet, diese alttestamentarische Erzählung einer Sonder-Connection zum HERRN DER GEISTER lebt - angeblich - in der Farbe des deutschen Rot: "Michael, das ist das Rot in all seinen Schattierungen"; die ekklesiastische Dogmatik, die die deutsche Theokratie seit tausend Jahren begleitet - so sie sie nicht gar ausschließlich lenkt - ist es, was in den deutschen Farben zementiert ist, und gerade dieses Rot in der Mitte des Trikolorendispositivs platziert. Ein ganz besonderer Ort, der an sich dort die Ausnahme darstellt im - so nicht mehr intakten, so sich selbst verschlingenden - Spiel von Regel und Ausnahme. Die deutsche Fahne Schwarz-Rot-Gold ist somit nicht nur als solche ein besonderes Tuch, sondern sie ist auch unter allen anderen Fahnen die Besondere, deren Botschaft die, die sie unter sich summiert, in die Irre führt, in eine Fiktion, die die, die in die Falle gehen und romantisch an das Recht glauben, das sie zu garantieren scheint, die ersten Opfer jener sein lässt ... die an garnichts glauben, die Opfer also der Nihilisten (genau gesagt, mit Nietzsche, der den Begriff eingeführt hat: noch dazu "unvollständige Nihilisten" — was die Sache noch einmal um eine ganze Dimension verkompliziert). Die Schwarz-Rot-Goldene ist — in dieser unerlösten Form — etwas für Dumme und diejenigen, die skrupellos bereit sind, kindliche Naivität zum Teil zu fordern, nur um sie andererseits schamlos auszunutzen. Die deutsche Fahne Schwarz-Rot-Gold ist buchstäblich die Scheidewand zwischen den Anständigen und denen, die hinter dieser Fahne stehen, zwischen dem Oben und dem Unten im Land, zwischen semiotischer Heimtücke und dem semantischen Befehl, ihr zu gehorchen.
Dennoch — oder vielleicht auch gerade aus diesem Grund — hält sich der mit "schwarz-rot-gold" verbundene "Paulskirchen"- Gründungsmythus in seiner bis auf den heutigen Tag so aktiv wie nur irgend möglich betriebenen, propagandistischen Verklärung (an der, nur zum Beispiel, auch das Präsidium der größten deutschen Personenvereinigung, des 26 Millionen Mitglieder zählenden DOSB, aktiv teilhat, indem es diesen Mythus per gesondertem Satzungspunkt nicht nur seinen Mitgliedern, sondern auch der Politik als ihr spezifisches gesellschaftspolitisches Sonderschmankerl verkauft) derart nachhaltig, dass nach dem Zusammenbruch des preussisch-deutschen Kaiserreichs 1918, 1919, genau wie nach dem Zusammenbruch des (nicht einmal mehr von einer eigenen Verfassung, sondern konsequent vom "Führerprinzip" bestimmten) "III. Reiches" 1945, 1949, wieder auf das alte visuelle Leitmotiv "von 1848", "die deutsche Fahne Schwarz-rot-gold", das romantische, nichtsdestoweniger gerade aufgrund dieser Eigenschaft immer wieder von der theokratischen Dogmatik — der hanebüchenen, alttestamentarischen Michaels-Saga auf insbesondere katholischer Seite, sowie der lutheranisch-"evangelisch"-protestantisch-preussischen, staatsomnipotent-kaisersymbolischen, darin sozusagen wieder Fleisch gewordene Führer-Saga auf der anderen, Deutschland eben heute vom Osten her klandestin unterwandernden, wiedererobernden Seite (so die hier vertretene These) — eingeholte, recht bauernbunte "deutsche Dispositiv" zurückgegriffen wurde.
Dort, bei jenem offenbar für die Deutschen so besonders trostreichen, romantischen Tuch, fängt es immer wieder an nach den Zusammenbrüchen. 1990 der Osten, die DDR. Das preussisch-stalinistische Scheinstaatprojekt muss nach 40 Jahren aufgeben und verliert sein Staatswappen in der Imprese seiner Schwarz-Rot-Goldenen, ersatzlos. Es geht auch ohne Das immer wieder (1919, 1949, 1991) als "demokratisch" (— politologisch gesehen der größte Gummibegriff aller Zeiten, der durchaus, bei ausreichend massivem, gerne von der Propaganda geschürtem Willen zu Gewalt, Zwang und Terror, dazu in der Lage ist, Formen der Diktatur in sich aufzunehmen —) verkaufte, in Wirklichkeit doch als romantisches deutsches Projekt an den Start gegangene (und dabei auch zurückgebliebene) "1848", auf das ein halbes Jahrhundert der Wirren und revolutionären Entwicklungen zugelaufen, und das im letzten Moment doch gescheitert war, welches dann auch noch in seiner depravierten Form (besser gesagt: aufgrund dieser Depravation) bereits ein Jahr darauf, 1849, schon wieder durch die preussische Militärregierung und das Auseinanderjagen der Zweiten Kammer, sowie die auf dem Fuße folgende Proklamation der deutschen Einheit durch dieses Regime (!) abgeblasen wurde, hatte also zunächst keinerlei Bestand gehabt.
Es ist so: Schwarz-Rot-Gold, aus alten Farben zu einer "neuen" Fahne zusammengesteckt (was übrigens in der Sache gegen die Regeln der Heraldik geschah, und deshalb ein Monster gebar), visualisiert sozusagen gattungstypisch das Dispositiv des Ausnahmezustands. Schwarz-Rot-Gold ist mitnichten der Ausdruck einer sozialen Revolution oder einer neuen Staatsidee, sondern lief (und läuft auch heute noch) den alten gesellschaftlichen Machtverhältnissen quasi ins offene Messer: Dort, wo man glaubt, die Strukturen der unterdrückerischen Obrigkeit nicht beseitigen, sondern davon ausgeht, bloß die Positionen der Macht selber besetzen zu müssen, geschieht genau das: Nach kurzer Zeit werden die angestammten Herrschaften ihren Platz an den Stellrädchen der Macht und des Gewaltbefehls wieder einnehmen, werden dorthin zurückkehren, wo sie zuhause und bekannt sind, und das Volk wird sogar eine gewisse Dankbarkeit empfinden, dass die experimentierenden Dilettanten wieder verschwunden und die alte Ordnung wieder eingekehrt ist. Weshalb hätte das preussische Junker- und Feudalregime auf Dauer tatenlos mit seiner Degradierung und Entmachtung einverstanden sein sollen?
Die Folgen sind bekannt: Deutschland scherte unter der Bismarckschen Kabinettspolitik hinter kaiserlicher Fassade aus dem Konzert der zivilisierten Mächte Europas dauerhaft aus, und trieb es in seinem preussisch-protestantischen, deutschtümlerischen Theokratiedünkel bis zum Ersten Weltkrieg, von dem man sich — durchaus kollektiv — die endgültige Vorherrschaft ... des deutschen Blut- und Gewalt-Wahnsinns versprach. Wurde man durch den in diesem Krieg herbeigeführten Totalzusammenbruch irgendwie von dieser Krankheit geheilt? Keineswegs! Der Deutsche will doch wissen, dass er recht hat, und sein Recht ist ein Metarecht, das ihm durch die Patronage des Erzengels Michael zukommt, von Alters her! Die alte Theokratie, die "Gottgegebenheit" von allem Möglichem ... das ist die deutsche Kunst, diese Illusion aufrechtzuerhalten und sich immer wieder in sie zu flüchten. Die deutsche Besonderheit ist, so gesehen, die deutsche Erbärmlichkeit, und wehe, irgendjemand erdreistete sich jemals, die Deutschen gerade daran zu erinnern! Gottes Kinder sind die Deutschen doch, eine Auswahl, ein Kindergarten der grausamsten Infantilitäten und des Reduktionismus, des Ausmerzens der Kreativität, die für den, der solche Kunst mit der Muttermilch eingesogen hat, das Böse, die Konkurrenz an sich ist. Jener Michael, der den fiktiven Garanten für die deutsche Auswahl darstellt, der die deutsche Autorität als die dunkle Chimäre verkörpert, die zumeist unerkannt das Land lenkt und in ihm richtet, diese alttestamentarische Erzählung einer Sonder-Connection zum HERRN DER GEISTER lebt - angeblich - in der Farbe des deutschen Rot: "Michael, das ist das Rot in all seinen Schattierungen"; die ekklesiastische Dogmatik, die die deutsche Theokratie seit tausend Jahren begleitet - so sie sie nicht gar ausschließlich lenkt - ist es, was in den deutschen Farben zementiert ist, und gerade dieses Rot in der Mitte des Trikolorendispositivs platziert. Ein ganz besonderer Ort, der an sich dort die Ausnahme darstellt im - so nicht mehr intakten, so sich selbst verschlingenden - Spiel von Regel und Ausnahme. Die deutsche Fahne Schwarz-Rot-Gold ist somit nicht nur als solche ein besonderes Tuch, sondern sie ist auch unter allen anderen Fahnen die Besondere, deren Botschaft die, die sie unter sich summiert, in die Irre führt, in eine Fiktion, die die, die in die Falle gehen und romantisch an das Recht glauben, das sie zu garantieren scheint, die ersten Opfer jener sein lässt ... die an garnichts glauben, die Opfer also der Nihilisten (genau gesagt, mit Nietzsche, der den Begriff eingeführt hat: noch dazu "unvollständige Nihilisten" — was die Sache noch einmal um eine ganze Dimension verkompliziert). Die Schwarz-Rot-Goldene ist — in dieser unerlösten Form — etwas für Dumme und diejenigen, die skrupellos bereit sind, kindliche Naivität zum Teil zu fordern, nur um sie andererseits schamlos auszunutzen. Die deutsche Fahne Schwarz-Rot-Gold ist buchstäblich die Scheidewand zwischen den Anständigen und denen, die hinter dieser Fahne stehen, zwischen dem Oben und dem Unten im Land, zwischen semiotischer Heimtücke und dem semantischen Befehl, ihr zu gehorchen.
Dennoch — oder vielleicht auch gerade aus diesem Grund — hält sich der mit "schwarz-rot-gold" verbundene "Paulskirchen"- Gründungsmythus in seiner bis auf den heutigen Tag so aktiv wie nur irgend möglich betriebenen, propagandistischen Verklärung (an der, nur zum Beispiel, auch das Präsidium der größten deutschen Personenvereinigung, des 26 Millionen Mitglieder zählenden DOSB, aktiv teilhat, indem es diesen Mythus per gesondertem Satzungspunkt nicht nur seinen Mitgliedern, sondern auch der Politik als ihr spezifisches gesellschaftspolitisches Sonderschmankerl verkauft) derart nachhaltig, dass nach dem Zusammenbruch des preussisch-deutschen Kaiserreichs 1918, 1919, genau wie nach dem Zusammenbruch des (nicht einmal mehr von einer eigenen Verfassung, sondern konsequent vom "Führerprinzip" bestimmten) "III. Reiches" 1945, 1949, wieder auf das alte visuelle Leitmotiv "von 1848", "die deutsche Fahne Schwarz-rot-gold", das romantische, nichtsdestoweniger gerade aufgrund dieser Eigenschaft immer wieder von der theokratischen Dogmatik — der hanebüchenen, alttestamentarischen Michaels-Saga auf insbesondere katholischer Seite, sowie der lutheranisch-"evangelisch"-protestantisch-preussischen, staatsomnipotent-kaisersymbolischen Führer-Saga auf der anderen, Deutschland eben heute vom Osten her klandestin unterwandernden, wiedererobernden Seite (so die hier vertretene These) — eingeholte, recht bauernbunte "deutsche Dispositiv" zurückgegriffen wurde.
Es ist nicht, dass "die Deutschen" es einfach nicht besser wissen wollen (und sie dafür alles andere umso besser wissen), als einfach zu glauben, was immer man ihnen als den Inhalt solchen Glaubens autoritär präsentiert; doch sind diese Zusammenhänge noch komplexer, als man es für gewöhnlich annehmen möchte. Auch noch anlässlich der deutschen Wiedervereinigung 1991 wurde der staatlichen Emblematik nicht zeitgemäß begegnet, und erneut firmiert die alte Fahne.
Der damalige Papst Wojtyla verkündet: "Der wahre Kommunismus waren in Wirklichkeit schon immer WIR". An Wilhelm Weitling hat er dabei bestimmt nicht gedacht. Namentlich ein Zurückerobern, eine direkte reconquista dieser auf das Heftigste dogmatisch besetzten Farbe Rot durch die propagandistische, hier insbesondere die katholische Amts- und Staatskirchenrestauration (natürlich getragen von ihren "christ"-politischen Freunden hüben wie drüben, und hier wie dort) beginnt; die "Religion der Liebe" des Westens fusioniert nun — quasi in diesem und über dieses Rot der deutschen Fahne Schwarz-rot-gold, in und über diesen "Schoß der fruchtbar noch" (B. Brecht) — mit jenem Totalitarismus der Liebe, der die DDR, in einer kunstvollen Formulierung von Kerstin Decker, gewesen sein soll; darin, in dieser Fusion des marxistisch geschulten Ostens, der den Staat als ein Mittel der Klassenherrschaft verstand, und der "Kommunikationsherrschaft" (Dr. Thomas Bach/DOSB/FDP, sowie gleichlautend Dr. Theo Zwanziger/DFB/CDU) dogmatisch-christlichen, "rechten" (theokratiekonformen) Glaubens der herrschenden "bürgerlichen" (resp. wirtschafts-junkerlich-neofeudalen) Diktatur des Westens, soll unser Los und die Zukunft Europas nun liegen?
Wie das aussehen wird, illustriert die auf dieser Website vorgetragene Geschichte vielleicht schon einmal recht anschaulich.
Hugo Ball notiert 1918 zu den Vorstellungen und Dogmen Karl Marx': "Für Marx war die Ware gleich Arbeitskraft und die Arbeitskraft gleich Ware. Die revolutionäre Klasse war ihm "von allen Produktionsinstrumenten die größte Produktivkraft" (Mehring, Geschichte der deutschen Sozialdemokratie, Bd. I, S. 325 "Marx gegen Proudhon") (...). Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit verdarben ihm als Imponderabilien notwendig die Rechnung, und man kann sogar sagen, dass Marx als erster Deutscher dem Begriff "Menschenmaterial" zu theoretischem Ausdruck verhalf. War der Materialismus solcher Betrachtungsweise "revolutionär", protestierend? Marx lieferte nicht nur der Arbeiterbewegung, er lieferte auch dem kritisierten Kapital die handfesten Begriffe. Und es ist doch merkwürdig genug, dass sich 1867, als das "Kapital" erschien, nach Freiligraths Zeugnis "am Rheine viele junge Kaufleute und Fabrikbesitzer für das Buch begeisterten." (zitiert nach Franz Mehring, Sozialistische Lyrik, Leipzig 1913, S. 112)"
Angesichts der Entwicklungen der Form "Staat" wird es für das Denken immer drängender, zu fragen:
Wohin soll es führen, wenn unter dem romantischen Versteck der Farben von 1848 (über die Fußball-Massenveranstaltungen insbesondere von 2006 und 2008 zu einem gigantischen Blendwerk aufgeblasen), welche also an sich selbst noch ein (allerdings für das kommende Pseudo-Manichäertum — mit strikter, autoritär-demagogisch-propagandistisch vorgegebener Sortierung von Gut und Böse, von lebenswert und zum Tode bzw. zum Lager verurteilt — je nach Deutungs- bzw. Missdeutungshoheit durchweg aufnahmefähiges bzw. diesem gegenüber wieder wehrloses, genau diesem gegenüber waffen- und zahnloses, entmanntes) Dispositiv der alten (Reichs-)Form, also der alten Ordnung des 1806 offiziell erloschenen "Heiligen römischen Reichs deutscher Nation" sind (welche bislang — eben noch völlig unerkannt — in und mit just diesem staatlichen Hoheitszeichen in geradezu bilderbuchhafter, um nicht zu sagen exaltierter Manier proliferiert und propagiert wird), das einst zwar unter anderen Farben firmierende, heute aber eben unsichtbare deutsche Dispositiv des — Deutschland wie kein anderer Machiavellismus prägenden und in gewisser Weise gerade im "III. Reich" zu seiner vollen, bodenlosen Ausprägung gekommenen— preussisch-deutschen (Bismarckschen) Einheits-Reichsgedankens von 1849/1871 die gesellschaftlichen Zustände in Deutschland (nicht aller demokratischen und/oder modernen Deklaration zum Trotz — sondern diese zu eigenen, freilich diktatorischen, Zwecken ummodelnd, was in Wirklichkeit nämlich politologisch nicht zwingend ein Widerspruch zu "demokratisch" sein muss, und auch Hitler wurde auf dieser "Geschäftsbasis" 1933 demokratisch zum Reichskanzler *ernannt*) wieder so unterschwellig wie maßgeblich bestimmt? — Soll sie?
Das Leben, das heisst das, zu dem es die anthropologischen Maschinen des Alten und/oder der Moderne gemacht haben, das politisierte "nackte" (Agamben), "bloße" (Benjamin), "wirkliche" (Schmitt) Leben, wäre in diesem Land mithin — kraft der alten Lesbarkeit solcher paradigmatischer Bestimmungen in diesem nationalen Leitmotiv, kraft des von ihm dargestellten Dispositivs — durch unhinterfragte Maßgaben vorsortiert, und eine Herrschaftsstruktur der einem (mit den Worten von Giorgio Agamben) "dunklen Souverän" verpflichteten Art würde das Land faktisch, unabhängig von den Kulissen und Wahlergebnissen, regieren — ja, sogar "ob sich die Mächtigen dessen bewusst sind oder nicht". Es ist dies derselbe Souverän, der heute jedes Land und jeden Winkel auf der ganzen Welt regiert.
Die Speerspitze dieser sich "im offiziellen, (souveränen) Abseits" (welches sich, wie Agamben vor allem in seiner Trilogie zum Ausnahmezustand aufgezeigt hat, dennoch in der in den Rechtskontext desselben hineingezogenen Anomie, also im eigentlichsten Innersten seiner Rechtsordnung, befindet) aufhaltenden, direkt oder auch klandestin durch Mittelsmänner und Lobbies maßgeblich in den Staat hineinregierenden — ihn exclusiv bestimmenden — Obermagiergarde (deren allein sie auf Kosten jeglicher echter Gemeinschaft — teile und herrsche — exorbitant fett machendes System heute, 2009, gerade selbst — eben weltweit — übel zur Hölle zu fahren und die Zivilisation, d. h. das, was von ihr noch da ist, mit sich in den finalen Abgrund zu reissen droht) mit ihren notorischen, allen ihrer kryptischen und abgefeimten, so "gottgegebenen" wie lukrativen Macht-, Ausnahme- und Unterdrückungsposition abholden, aufklärerischen und/oder alternativen Bestrebungen gegenüber spinnefeindlichen "nationalen" (sie brauchen von der Nation heute nur noch die Polizei und morgen das Militär, die sie beschützen) Einstellungen und Ausbremsereien, würde sich just im Augenblick des Erscheinens einer innovierten, revolutionierten, auf einem kritischen Blick in die Geschichte der Gewalt (sowie deren Beziehung zum Recht) und auf einer Erforschung der im Dunklen zurückgelassenen bzw. dorthin zurückgetretenen Grund- und Anlagen der "deutschen Farben" beruhenden, schließlich in ein Jetzt der Lesbarkeit (oder Erkennbarkeit) übersetzten Fahne e x a k t so verhalten, wie es also unweigerlich auch bei der Vorlage des Werkes "Schwarz-rot-gold in neuer Form" — Neue Form — geschah, geschehen musste:
Sie würde sich darauf stürzen, um es in einer über drei, vier oder fünf player verteilten Staffel von Plagiaten zu zerstücken, würde es depravieren und entleeren, wobei sein Potenzial und die Rechte seines Urhebers geraubt werden, und würde es entwertet, aber von ihren Werbeagenturen als "kluge, schöne und starke nationale Rettungsaktion" (Intrigenforscher Peter von Matt) auf das Lächerlichste aufgebrezelt dann mit aller Macht ins ausschließlich von ihnen beherrschte Unterhaltungsgetriebe des spektakulären Staates (G.-E. Debord) implementiert neu wieder vorlegen. Genau dort, wo sie die alte Fahne, ihre Tarnung, auch schon hat.
Die Gangster, die der Neuen Form — auf gut deutsch gesagt — mit dem nackten A*** ins Gesicht gesprungen sind, fahren jetzt in öffentlichen Ehrungen konsequent auch noch die Meriten für deren "Integration" (und den gestohlenen Namen und die von ihm geraubten Rechte ihres Urhebers, die ihnen — hoppla! — doch wie von selbst bei ihrem üblen Banden-Gig an den feisten Backen hängenblieb) ein.
Und niemand, wirklich niemand, hätte es nach Menschenkräften gegen all die fiesen und rechtsmissbräuchlichen Tricks, die sie bandenmäßig zur Anwendung brachten, mehr verhindern können, dass der (vorläufige) Sieg von — im Hinblick auf ihr Verhältnis zur Kreativität an sich als Versager und Verlierer, als Mörder zu bezeichnenden — Wettbewerbsbetrügern über einen kreativen Sieg ... damit besiegelt werden sollte?
Dann ist die hier aufgestellte These zutreffend.
die kreativen
Insbesondere die Kreativen gehören dieser Katze: "Wer ist wie Gott?" — das in seinem Namen ausgesprochene Verdikt Michaels trifft alle Schöpfer (die Rettung Picassos vor dem Zugriff der bereits in seinem Atelier stehenden SS-Schergen war es bekanntlich, auf die angesichts des Werkes Guernika an ihn gerichtete Frage "Haben Sie das gemalt?" zu antworten: "Nein, das haben Sie gemalt.") hinieden genau wie all jene, die — aus beträchtlicher Höhe — auf derlei Mythologeme pfeifen, weil sie ihnen in dem gerade von den Fans solcher Mythologeme verursachten Elend genausowenig weiterhelfen wie in ihren Aufgaben, Berufen und Pflichten — geschweige denn in ihrem evolutionären Engagement, trotz all dieses Wahnsinns dennoch einen besseren, dem Leben wirklich entsprechenden und es nicht nur ausgrenzenden politischen Horizont für sich und ihre Nachbarn zu finden und zu formulieren — mit seinem Bannstrahl.
Er trifft unweigerlich die Evolution, und damit stets die Besten. Es nimmt von daher auch nicht Wunder, dass die von ihren eigenen Landsleuten Unterdrückten in der DDR nun, 20 Jahre danach, in erster Linie die 'damalige' Unaufrichtigkeit des Regimes und seiner Repräsentanten nennen, wenn sie sich an den Stasi- und SED- Terror jener 40 Jahre erinnern. — Dass diese mittlerweile auch schon wieder systematisch zum Schweigen gebracht wurden und/oder von der mittlerweile hübsch fusionierten Kamarilla aus West und Ost — Gruß an Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble, sowie an alle damaligen Stasi-Kader und heutigen CDU-Abgeordneten! — "nicht einmal mehr ignoriert" werden, ermöglicht heute solche Nummern, wie sie in dem bandenmäßigen Putschversuch sichtbar werden, der sich hinter der Annexion der Bild-Logik Neue Form durch eine autonome, klandestin autorisierte Seilschaft zur Asumerzung eines beraubten Kreativen verbarg ...
Diese deutsche Schizophrenie (siehe auch unten) hat, sucht und findet ihren Grund jeweils in der durch diese Fahne Schwarz-rot-gold — als Bild-Logik gelesen — ausschließlich mittelalterlich-römisch-katholischen Bestimmung des Landes als "dem Reich"(die, wie aus dem hier Gezeigten hervorgehen soll und wie es sich gerade heuer, 2009, anhand der propagandistischen Maßnahmen des — deutschen — Papstes zum zwanzigsten Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung und zum sechzigsten der — nunmehr mit dem östlichen "Totalitarismus der Liebe" [Kerstin Decker] wiedervereinigten — Bundesrepublik so plakativ antimodernistisch von selbst zeigt, mit der Bestimmung des — offiziell 1806 erloschenen — "Heiligen römischen Reiches deutscher Nation" identisch ist), die eben an dieser eminentesten Stelle, in seinem staatlichen Hoheitszeichen und dispositiv-paradigmatischen Leitmotiv, scheinbar unverrückbar verankert ist und alles Leben, das ihrem 'Reglement' unterworfen ist, in einem Ausnahmezustand, der zur solchermaßen propagierten Regel geworden ist ... ausnimmt.
Auf dieser Fahne steht: Enteignung des Potenzials. Wer sich auf die Seite dieser Bestimmung schlägt — etwa die Weiberseilschaft, die die Fahne Neue Form für die Mächtigen Herren unterschlägt und umspritzt (denn es fällt schon auf, dass da auf der untersten Ebene des Plots lauter Frauen am Werk sind) —, sitzt also wie vor einer Weihnachtsgans und muss sie nur noch braten. — Wer es nicht tut, wird verbraten. Das ist die Spaltung. War es nicht schon immer so in Deutschland (bis vielleicht auf jene kurze sozialliberale Nachkriegsphase, als die Erinnerung an den letzten crash des 'Reichs' noch recht lebendig war)? Friss, Vogel, oder stirb. WIR — der faschistoide Korporatismus unter Ausschluss sämtlicher von der Verfassung garantierten individuellen Freiheits- sowie Kommunikationsrechte — sind Deutschland. Und WIR machen mit dir, was wir wollen.