fetisch
Von ganz besonderem Interesse ist hier natürlich das Rot, die Farbe des Blutes, und zwar gerade weil sich insbesondere in Deutschland nach wie vor das blaue Blut — namentlich per Deutungs- bzw. Missdeutungshoheit hinsichtlich jener "Fahne von 1848" — standardmäßig über den deutschen Untertan hermacht. Eine gelungene Revolution, wie etwa in England oder in Frankreich, hat es hier nie gegeben.
Es besitzt als die am heissesten umfochtene Farbe der Welt eine Vielzahl an Konnotationen, von denen sicherlich die der Potenz/des Potenzials die wichtigste ist, da sie damit eine direkte Analogie zur Lebenskraft des Menschen zum Ausdruck bringt — und von daher eine unvergleichliche Anziehungskraft auf den Menschen ausübt.
Es ist kein Wunder, dass sich sowohl Sozialismus/Kommunismus als auch die christlich-ekklesiastische Dogmatik (die heute allein auf katholischer Seite über eine Anzahl von mehr als einer Milliarde Menschen gebietet und insgesamt immerhin ca. 34.000 Sekten aufweist) stets die ausschließliche Option auf diese Farbe zur Erlangung ihrer Ziele zu sichern beeilten — ein Kampf auf dem Gebiet der visuellen Kommunikation bzw. der Demagogie, der Agitation und Propaganda, der sich mit den Schlachten eines Krieges vergleichen lässt (wie man hier und heute sieht).
So, wie sich die Rechtsordnung gezwungen sieht, "mit allen Mitteln (...) eine Beziehung (zum rechtsfreien Raum) aufrechtzuerhalten" (Agamben 7, S. 62), sieht sich die Propaganda der Politischen Theologie (Carl Schmitt 1) gezwungen, die demjenigen Etwas, "das der Mensch ist und sein soll, (das) weder eine Essenz noch im eigentlichen Sinn eine Sache (ist), [sondern] das schlichte Faktum seines Daseins als Möglichkeit oder Potenz" (Agamben 5, S. 43; kursive Auszeichnung nach Buchvorlage) im populistischen Sinn möglichst nahe kommende Farbe mit — möglichst ausschließlichem — Beschlag zu belegen.
In den komplexen Wandelgängen des so einfach erscheinenden Dispositivs einer Trikolore verwandelt sich an mittlerer, "ausgenommener" Position das damit ausgedrückte Nahe in eine Abwesenheit und wird damit, psychologisch gesehen, zu einem Fetisch-Ort, dem der "Raum [dieser] Widersprüchlichkeit eignet" und der gleichzeitig "die Anwesenheit [eines] Nichts (...) und das Zeichen von dessen Abwesenheit ist" (Vgl.: Agamben 1, S. 230).
Wer die deutsche Fahne, das oberste mentale Leitmotiv oder deutsche Dispositiv, [r]evolutionieren möchte, muss zuerst "die deutschen Farben" verstehen — denn erst dann können sie vollkommen neu, als jungfräuliches Gestaltungsmaterial aufgefasst ... und ihnen in einer neuen Form, und durch diese, eine neue, im Sinnlichen geschöpfte Idee gegeben werden.
schwarz

- >It‘s only words (Alles nur Worte)< P. Hauf; ca.1983
"Schwarz-Gelb (oder -Gold)" ist das geteiltfarbige, heraldisch aus den Farben des obrigkeits- bzw. bevormundungsstaatlichen kaiserlichen Reichspaniers (Schwarzer Adler auf gelbem Grund) abgeleitete deutsche Emblem für das mythische Machtprinzip aller Rechtsetzung.
Schwarz, die Farbe, in der die "Buchstaben" zur Welt kommen — aus deren Sicht das "griechische metaphysische Projekt (...) die Sprache von Anfang an dachte, indem es die Reflexion über die Sprache als 'Grammatik' fasste (und die phoné als semantiké, mithin als Zeichen einer 'Seelenschrift' begriff" (Agamben 1, S. 246) —, gilt in unserem abendländischen Verständnis als umfassend. (Agamben notiert, dass "schon Aristoteles den semantischen Charakter der Sprache in den Bereich der Phantasie [verwies], deren Bilder im Sinne einer bereits Platon bekannten Metapher als 'ein Schreiben in der Seele' gedacht werden." (Ebd., S. 292n.251)
Schwarz ist — aus dem zen-buddhistischen Blick des Verfassers — die Farbe von shamatha (lt. Daisetz Suzuki [1, S. 170 f] das einseitige und unersprießliche " Anhalten der Gedanken, die das Bewusstsein stören", und — neben dem durch das "Gold" [siehe dort] ausgedrückten vipashyanā — die andere dem menschlichen Bewusstsein innewohnende Schwäche, "welche sich um die Erfahrung der Einheit der Dinge bemüht [...], das Bewusstsein jedoch in einen Zustand der Lethargie und Gleichgültigkeit führen kann").
rot

- Der Missbrauch der bitendenziellen Symbolik des Rot, hier illustriert durch die (angebliche) Verbindung von "Gott" (deus) und "Recht" (jus) über die Farbe Rot im Siegel des höchsten (33.) Grades der Freimaurer, welches keineswegs Anspruch auf Exclusivität erheben kann, da der mafiöse Michaels-Mythus (Vgl.: Stichworte) der "Christen" genau dasselbe (bloß mit einer allegorischen "Person" - dem "Erzengel Michael" - als hierarchischer Mittler- bzw. Patronagefigur anstelle einer ebenso geradeheraus fabulösen Allegorie wie dem doppelköpfigen Adler hier) postuliert: Nämlich die zentrale Fiktion einer substanziellen Verbindung zwischen Gewalt und Recht, zwischen Leben und Norm (Vgl.: Agamben 7, S. 102).
Rot ist in der abendländischen Heraldik seit dem bereits im alten Rom gebräuchlichen (wie alle Fahnen zu dieser Zeit übrigens quadratischen, noch heute in dieser Form von der CIA- red cell — jedenfalls im Namen — so geführten) "Blutbanner" die Farbe der (dem König und der von ihm konsubstantiell verkörperten, vom Führerprinzip auctoritas princeps gekennzeichneten Souveränität überlassenen) Blutgerichtsbarkeit.
"(...) Blut ist das Symbol des bloßen Lebens" (Walter Benjamin 1, S. 59)
"Die mythische Gewalt ist Blutgewalt um ihrer selbst (...) willen." (Ebd., S.60)
Es ist dieses Rot, das über die Fahne Schwarz-Rot-Gold von 1848 aus den ihr bzw. ihm unterworfenen Deutschen automatisch die dünkelbehaften, sich durch die Bank — aber insbesondere in Hordenformation — als Richter über den Rest der Welt (bloß nicht für sich selbst) aufwerfenden, in ihrer geistigen Entwicklung im Mittelalter stehengebliebenen Prinzipienreiter und Michel gemacht hat, als die sie alle Welt (mit Ausnahme ihrer selbst) kennt, und das den alten Hegemonieanspruch "Deutschlands" — besser gesagt des immer wieder unter diesem Namen und in dieser Farbe (solange sie, wie es in der Vexillologie von 1848 der Fall ist, als "allein deutsch" definiert ist) wiederauferstandenen Reichs — über Europa mit all dem damit verbundenen Wahnsinn begründet.
Es ist dieses Rot, aus dem seinerzeit der deutsche Nazismus kroch.
In der Originalgestaltung Neue Form aber ist das aus seiner deutschen Bastardierung (mit dem Recht durch den Mythos) ent-setzte Rot wieder zu einer der "ewigen Formen", zu einer Form der "'reinen' Gewalt" befreit, von der z. B. Walter Benjamin in seiner Kritik der Gewalt spricht (Ders. 1, S. 64; vgl. dazu den Kommentar von Agamben 7, S. 75), die hier auch nicht eine relationale Konzeption im Sinn einer Dualität aufmacht, sondern, als ein Jenseits des Jenseits, als eine Ausnahme der Ausnahme, allein im Hier und Jetzt existiert. Ausserhalb der metaphysischen Tradition des Abendlandes erst findet sich hierzu die weitere, mit Begriffen nicht erschöpfend erläuterbare, nur im Selbst-Erleben vollständig zu erkennende — also ebenfalls nach innen, hier ausdrücklich ins Ungeborene, ent-setzte — Konnotation satori (und nur derlei Zen wird auch den Raum eröffnen, den die Noogenese braucht, um sich evolutionär entfalten zu können).
Das im Alten (deutschen) Reich "ausgenommene", separat neben dem schwarz-gelben deutschkaiserlichen Reichspanier in Gestalt des "Blutbanners" gebräuchliche Rot wird in der deutschen Fahne von 1848 durch die zwingende, mit dem seinerzeit (übrigens gegen die Regeln der Heraldik vorgenommenen) "Kunstgriff" bzw. "Einbau" oder Einschub dieser Farbe in jene Farben des deutschkaiserlichen Reichspaniers (Schwarz-Gelb) bewerkstelligte, "endgültige" Besetzung mit der "deutschen" (durchaus auch in anderen Ländern, wie etwa Rumänien, sowie bei allen anderen monotheistischen Religionen neben dem Christentum, bekannten) Michaels-Dogmatik zu einem als unverrückbares Faktum der nationalen Eigenheit erscheinenden Symbol für ... den entmündigten, zwingend den mythischen, rechtsetzenden Rechtsformen ergebenen bzw. unterworfenen und von diesen bevormundeten Geist, für das dem souveränen Bann unterworfene, also an die Gewalt(samkeit) ausgelieferte Recht im 'Ausnahmezustand', und für das diesen Größen insgesamt ausgelieferte nackte Leben — in einem; denn nun, so postuliert und doziert diese Fahne fortan, beherbergt "Deutschland" die "Ausnahme" ... welche der kirchlichen, seit der "Wende von 1990/91" in einer unheimlichen reconquista um jeden Preis wiederherzustellen und wieder einzusetzen versuchten Dogmatik gemäß die "exclusive", exclusiv mit dem (freilich alttestamentarisch-fiktiven) "HERRN DER GEISTER" vermittelnde Michaels-Patronage darstellt ("Rot ist die Farbe Michaels in all ihren Schattierungen ...").
Daher der typisch deutsche Dünkel, den schon Heinrich Heine besang, und der heute erneut mit allen Mitteln der Propaganda (und eigentlich gegen den Willen der Bevölkerung) über den pseudo-neuen, per Fußball-Mega-Events re-inszenierten, reichlich infantilen "Patriotismus" von der gewaltverherrlichenden Reaktion wieder als feste, berechenbare Größe ins Geschehen eingebaut wird. (Man spricht bereits von einer "Hooliganisierung der Gesellschaft" — was von den sich als solche "neuen Patrioten" verstehenden "Patrioten" konsequent erbittert, gehässig und aggressiv, eben hooligan-verdächtig, angegriffen wird.)
Und es ist auch die Schiene der "Ausnahme", über die — heute — von jenen selbsternannten Kommunikationsherrschern der Kulturindustrie, bzw. der auf einen neuen Totalitarismus ausgerichteten, freilich "privatisierten" Staatspropaganda — dieser neue Totalitarismus um jeden Preis per 'Brot- und Spiele'- Demagogie (mit dem führenden Sektor unter König Fußball) eingeführt werden soll.
Rot ist — um mit einer Konnotation im (wie wir noch sehen werden: für eine weitere Zukunftsbestimmung nicht mehr hinreichenden) Rahmen der metaphysischen Tradition des Abendlandes zu beginnen — hier letzten Endes die Symbolfarbe einer auf ein reines Potenzial aufsetzenden Matrix namens Gewalt (und in diesem Zusammenhang ist die über mehrere Jahrzehnte zwischen dem Rechtsphilosophen Walter Benjamin — der eine relationale Gewaltkonzeption und damit eine "reine" Gewaltauffassung vertrat — und dem Staatsrechtler Carl Schmitt — der eine substantielle Konzeption der Gewalt, eine Lehre des Ausnahmezustands als Theorie der Souveränität favorisierte — geführte Geheimdebatte höchst aufschlussreich, von der Giorgio Agamben als deren Wiederentdecker in seinem Buch Ausnahmezustand berichtet).
Das Rot ist in der deutschen Trikolore Schwarz-Rot-Gold von 1848 also traditionell ekklesiastisch- dogmatisch (d. h. zum Beispiel vatikanisch-"geistlich", s. u., oder protestantisch-"geistlich"), bestimmt.
Wo das Rot also selbst von den weltlichen Farben des (kaiserlichen) deutschen Reichs(paniers) geradezu als "deutsch" bestimmt wird, die der (an der Stelle der Ausnahme des Trikolorendispositivs) beherbergten Farbe hier, so gesehen, wieder geschlossen gegenübertreten (nicht mehr aufgeteilt in ein "oben und unten", sondern von der Tradition des Reichs bestimmt als Ausdruck einer (mythischen) rechtsetzenden Macht, die ihm, dem Rot — ein stets spannend bleibender Kampf, wie man weiß — eine Zuschreibung der göttlichen, rechtsvernichtenden bzw. souverän verfassungs-suspendierenden auctoritas eben gewähren will oder auch nicht), scheint der Handel zwischen weltlichen und geistlichen Kräften zunächst vorteilhaft symbiotisch geregelt — oder doch zumindest relativ sauber an eine Generalvertretung des Geistes, sei es der Vatikan, sei es der preussische Thron, sei es der Augsburger Glauben als offizielle Handelspartner, verschoben — zu sein.
Damit ist die geschlossene Kommunikationsherrschaft hergestellt (Alain Badiou z. B. nennt "Zirkulation und Kommunikation" direkt den "westlichen Imperativ") und firmiert daselbst als solche(s) im staatlichen Hoheitszeichen Deutschlands — zum Preis, allerdings, eines schachmatt gesetzten Rot, d.h. der Eliminierung seiner eigentlichen Bedeutung, nämlich derjenigen eines reinen, an sich mit Begriffen nicht bestimmbaren Potenzials.
Rot ist gemäß der katholischen Dogmatik die exclusiv ("Rot in all seinen Schattierungen") mit der mehr als allegorischen Figur des "Heiligen Michael" verknüpfte Farbe. Dieser Michael tritt in einem vom Verfasser als Gründungsmythus Deutschlands identifizierten (— von ihm selbst als wenig nachahmenswert empfundenen —) apokryphen Text aus dem Buch Henoch, dem Eid Aqae, als Empfänger des 'Eid Aqae' und als Mittler des "verborgenen Namens des Menschensohns" auf. Der rote Michael ergänzte — wenn man den Text des "Eid Aqae" als eine nicht zuletzt deshalb auch speziell mit Deutschland verknüpfbare Stelle lesen will — die darin weiters vorkommenden Farben in einem tatsächlich erweiterten Sinn zu den "deutschen Farben". Jener "verborgene Name" dort wird durch den Mittler Michael sozusagen (angeblich) mit Exclusivrechten an seine, d.h. an die Anhänger des "Namens des Mannessohnes" — Herrensohnes — durchgereicht, die Connection zum "HERRN DER GEISTER" diesen vorbehalten und vorenthalten zugleich: Ein souveräner Bann wird etabliert, in dem die individuelle Identität aufgehoben ist ("aufgehoben" wieder in beiden Wortbedeutungen).
Siehe auch: Das Geheimnis des Rot
In der Neufassung der voneinander ent-setzten Farben, Neue Form, kann das Rot nicht mehr anders definiert werden als durch sich selbst: Rot; allerdings weist es hier — der oben bei "Schwarz" schon erwähnten Zen-Auffassung gemäß (welche die Mythen und Fiktionen hinter sich gelassen hat) — zwischen samatha und vipashyanā auf das Potenzial des Einzelnen zu innerer Mutation und dem Erleben des individuellen, mit Begriffen nicht vermittelbaren Satori, sowie des Gemeinsamen zur (post-Jardinschen, Jantschschen) Noogenesis hin.
gelb/gold

- "Bundesadler/Bundeswappen"
Das deutsche Gold (oder Gelb), die Grundfarbe des kaiserlichen Reichspaniers, ist die Farbe des "Volks" — in der Bedeutung der zu einem gegebenen Augenblick im Hoheitsgebiet des schwarzen deutschen Adlers (siehe: Schwarz) anwesenden, der Gewalt "seiner" mythischen Rechtsetzung (d. h. also dem Gewaltprinzip der feudalen Oberschicht) zu unterwerfenden Bevölkerung, mithin der zur Erhaltung dieses gesetzten Rechts und zum Dienen der rechtsetzenden Gewalt bestimmten Unterschicht; umso archaischer und beschränkter der Begriff Volk interpretiert wird, desto mehr kommt die spezifisch bzw. ausschließlich mythische Dimension (siehe unten) der auf diese Farbe aufgesetzten oder projizierten Farbe Schwarz in Betracht.
Gelb — genauer gesagt: "Gold" (das "keine eigene Farbe, sondern ein Gelb mit einer glänzenden Oberfläche ist (Welsch/ Liebmann)" — wird leicht verwechselt, als sei es unbedingt synonym für Licht und Sonne (so, wie das Gelb als zugleich gröberes, aber umfassenderes Synonym für Gold dienen kann), gleichwohl für das Sonnenlicht als für ein Licht des Geistes, etwa Spiritualität (die sich wiederum von einem lumen naturale genannten Phänomen unterscheiden ließe).
Ein mythisches Gelb: Im 'Eid Aqae', einer Sequenz des apokryphen Textkorpus', der als "das Buch Henoch" im Umlauf ist (siehe insbesondere auch oben unter Rot), heisst es, der Geist (— der ansonsten freilich ruhig weiter weht wo er will —) sei "gebändigt", der 'tatsächliche Grund' ist gleichsam der 'wirklichen (All-) Macht', dem "HERRN DER GEISTER" machtvoll unterworfen, und der Geist dient hier als der "für die Zeit seiner Wut zum Boden [des Reichs; PH] ausgelegte Sand". Derlei "Sand" wäre also "das — wenn es nicht mythologisch fundiert wäre, praktisch dialektische — Gold" (das Reich aufhebend, d.h. dieses zugleich bewahrend als auch — durch sich — bedingend).
Hinter dem Gold/ Gelb steht — im Zusammenhang mit seinem Kompagnon im schwarz- gelben kaiserlichen Reichspanier, dem Schwarz — noch eine ebenso tiefe, strukturelle Information. In dieser lange Zeit gültigen Zweier- Kombination ist das "Panier" einer Formation zu sehen, das "Logo" einer (bzw. der das Reich beherrschenden, selbst wiederum — wie es sowohl im Eid Aqae als auch in der Theorie der Souveränität ausgestaltet ist — an die Fiktion einer "herabgereicht"-kongruenten Struktur gefesselte wie durch Eid an sie gebundene, also völlig von deren Funktion beherrschte) Gruppe. (Die Bezeichnung "kaiserliches Reichspanier" darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es ja nicht die Einzelperson des jeweiligen Kaisers oder Königs gewesen ist, die die Macht innehatte und sie ausübte.) Diese Information erhellt aus der alten Bedeutung, die das Wort "gel" aufwies, "strahlend weiß":
Der zunächst komplementär (Vgl. auch oben: Eid Aqae) dargestellte claim dieser Gruppe kann sich, so gesehen, zu einem späteren Zeitpunkt in der prozesshaften geschichtlichen Entwicklung durchaus zu einer Analogie der (eher auf Gegenseitigkeit abstellenden, also eine solche einfordernden) Formel des Hermes Trismegistos Wie oben, so unten; und wie unten, so auch oben wandeln (von der es heisst, ihre 'Wiederentdeckung' hätte am Beginn der Renaissance gestanden). Führte dies zu der Lutheranischen Konfusion, die schon gleich einmal den Bauernaufstand unter Thomas Münzer (dessen Fahne übrigens einen Regenbogen zeigte) an die Feudalität verriet und ihn in einem mit keinerlei Christlichkeit — ausser eben mit der deutschen Pseudo-"Christlichkeit", die sich dann ein paar Jahrhunderte später z. B. auch den Blutgerichtshof des Roland Freisler schafft — zu vereinbarenden Blutbad enden ließ?
Klarer wird all dies erst durch einen Blick von aussen, der in der Schwarz-Gelb-Symbolik des deutschkaiserlichen Reichspaniers das — hier hierarchisch geschichtete — "Gegensatz"-Paar von shamata (siehe oben: Schwarz) und vispashyanā erkennen kann, wobei letzteres lt. Daisetz T. Suzuki (1, S. 171) "das Offenhalten unseres geistigen Auges für die Welt der Veränderungen bedeutet", das Richten der "Aufmerksamkeit auf Gegenstände (...), die der Welt der Gesondertheiten zugehören". Beide sollen stets zugleich geübt werden, heisst es im Zen, um eines Tages die Widersprüche zu überwinden und selbst Satori zu erfahren.
die farben in der form der trikolore

- Trikolore der Bundesrepublik Deutschland
Der grauenhafte Dünkel der Deutschen hat sich — bewusst oder unbewusst — in der gegen die Regeln der Heraldik zustande gekommenen Pseudo-Trikolore "Schwarz-Rot-Gold von 1848" sein Denkmal gesetzt: Die Ausnahme, das bereits im Römischen Reich gebräuchliche und dort die dem König (d. h. seiner Erkenntnis) allein vorbehaltene Blutgerichtsbarkeit anzeigende, dann im Deutschen Reich zunächst bis etwa zur Mitte des 17. Jahrhunderts zu gewissen Anlässen wie der Verleihung einer Blutsgerichtsbarkeit an einen Vasallen des Kaisers und seiner Reichskirche noch gesondert neben dem schwarz-gelben Panier gebräuchliche und danach abgesetzte Rot des "Blutbanners", wird in der Reaktion auf das Erlöschen des Deutschen Reichs 1806 in die fiktive "Mitte" des schwarz-gelben Paniers geklebt, und während dadurch der vollkommen falsche Eindruck eines pfingstmäßig auf die Allgemeinheit verteilten und "demokratisch verwalteten" Potenzials an Gerechtigkeit bzw. Geist, mehr noch, eines sozusagen angeborenen Satori hervorgerufen wird (siehe die dogmatische Verknüpfung jener beiden Begriffe Gerechtigkeit und Geist mit dem Rot im Michaels-Mythus, sowie die in diesem Mythus angelegte Patronage-Legende, welche durch den schwarz-rot-goldenen Schachzug quasi für Deutschland neuerlich monopolisiert wurde, nachdem dieser Michael, "Wäger und Richter der Seelen am Jüngsten Tage", der Oberrichter der "Christen" also, bereits der "Patron des Deutschen Reichs" gewesen war), erstarrt nämlich tatsächlich die politisch-juridische wie auch die individuelle Wirklichkeit — und mit ihr das unabdingbare Elixier einer jeden, auch der mentalen Evolution, nämlich die Fluktuationsmöglichkeit, die allerwichtigste Möglichkeit, solange zu zweifeln und dissent zu sein, bis man sein eigenes Großes Werk vollendet und Zen berührt hat — durch diese Maßnahme nur einmal mehr in dem dadurch so paradigmatisch wie bildhaft "ausgerufenen", in dieser gegenseitigen — bei näherer Betrachtung nur noch von der Überdeterminierung durch die vorgebliche, mythische Autorität des trickreichen und mafiös-exklusiven Einheits-Mittlers zu einem nie gesehenen HERRN DER GEISTER bestimmten — Indeterminierung der jeweiligen Symbolfarben der "doppelten Struktur der Rechtsordnung des Okzidents" (Vgl. Agamben 7, S. 101), Schwarz/Gelb und Rot, dargestellten, mithin als für die Michaelsgläubigen selbstgenügend und höchst-inspirativ postulierten, als geistige Freikarte ins himmlische Jenseits annoncierten und als Rechtsstaat dozierten ... Ausnahmezustand.
Das Geistige wird sich fortan unter diesen Farben versucht sehen, den Lauf der Dinge entsprechend "aus der Mitte heraus" (mit-) zu bestimmen, ohne jedoch bis zum beginnenden 21. Jahrhundert die Verloren- und Verlassenheit zu erkennen und zu begreifen, die ihm an dieser Stelle des Dispositivs der Macht, als Gegenstand des souveränen Banns, zukommen. Es ist hier, mit einem Wort Nietzsches, der Exstirpation preisgegeben zum Nutzen der (privatisierten) "Nation", und seine Institutionen, wie etwa die mächtige Kirche, gezwungen, ihre Klientel an diese neue Macht zu verraten (worauf sie sich mit all ihren Instrumentarien der Repression und Inquisition ohnehin prächtig verstand — dass aber die überwältigende Mehrheit der Deutschen sich damals explizit gegen einen weiteren Terror der Kirchendogmatik und für ein freigeistiges Land engagiert hatten, wurde exakt mit dieser Fahne für die längste Zeit niedergeschlagen; nicht zuletzt daran lässt sich erkennen, welch ein Einfluss von einem Hoheitszeichen für das Land ausgeht, das sich unter ihm befindet).
Weiter: Die Trikolore Schwarz-rot-gold (Abt. Formanalysen)