neue [bewusstseins-] form: freisein

das werk Neue Form © P. Hauf 2007-2017

fetisch

"the red fetish" (copyright 2008 Peter Hauf)

Von ganz besonderem Interesse ist hier natürlich das Rot, die Farbe des Blutes, und zwar gerade weil sich insbesondere in Deutschland nach wie vor das blaue Blut — namentlich per Deutungs- bzw. Missdeutungshoheit hinsichtlich jener "Fahne von 1848" — standardmäßig über den deutschen Untertan hermacht. Eine gelungene Revolution, wie etwa in England oder in Frankreich, hat es hier nie gegeben; aber auch dort hat es in Wirklichkeit nie eine evolutionär-revolutionäre Überwindung des Gedankens der Staatlichkeit als solchem gegeben (wie ihn kurioserweise ausgerechnet der deutsche "Apokalyptiker der Gegenrevolution" [G. Agamben], Carl Schmitt [1888-1984], der alte Antipode Walter Benjamins und — abgesehen von dieser entscheidenden Einsicht, die bewusst oder unbewusst, jedenfalls dummerweise in diesem Lager ausgeblendet wird — Lehrmeister der Angela-Merkel-Horror-Regierungspolitik, im Alter von 75 Jahren dann im Vorwort zur zweiten Auflage seines Begriff[s] des Politischen selbst mit den Worten verwarf: "Die Epoche der Staatlichkeit geht nun zu Ende").

Es besitzt als die am heissesten umfochtene Farbe der Welt eine Vielzahl an Konnotationen, von denen sicherlich die der Potenz/des Potenzials die wichtigste ist, da sie damit eine direkte Analogie zur Lebenskraft des Menschen zum Ausdruck bringt — und von daher eine unvergleichliche Anziehungskraft auf den Menschen ausübt.

Es ist kein Wunder, dass sich sowohl Sozialismus/Kommunismus als auch die christlich-ekklesiastische Dogmatik (die heute allein auf katholischer Seite über eine Anzahl von mehr als einer Milliarde Menschen gebietet und insgesamt immerhin ca. 34.000 Sekten aufweist) stets die ausschließliche Option auf diese Farbe zur Erlangung ihrer Ziele zu sichern beeilten — ein Kampf auf dem Gebiet der visuellen Kommunikation bzw. der Demagogie, der Agitation und Propaganda, der sich mit den Schlachten eines Krieges vergleichen lässt (wie man hier und heute sieht).

So, wie sich die Rechtsordnung gezwungen sieht, "mit allen Mitteln (...) eine Beziehung (zum rechtsfreien Raum) aufrechtzuerhalten" (Agamben 7, S. 62), sieht sich die Propaganda der Politischen Theologie (Carl Schmitt 1) gezwungen, die demjenigen Etwas, "das der Mensch ist und sein soll, (das) weder eine Essenz noch im eigentlichen Sinn eine Sache (ist), [sondern] das schlichte Faktum seines Daseins als Möglichkeit oder Potenz" (Agamben 5, S. 43; kursive Auszeichnung nach Buchvorlage) im populistischen Sinn möglichst nahe kommende Farbe mit — möglichst ausschließlichem — Beschlag zu belegen.

In den komplexen Wandelgängen des so einfach erscheinenden Dispositivs einer Trikolore verwandelt sich an mittlerer, "ausgenommener" Position das damit ausgedrückte Nahe in eine Abwesenheit und wird somit, psychologisch gesehen, zu einem Fetisch-Ort, dem der "Raum [dieser] Widersprüchlichkeit eignet" und der gleichzeitig "die Anwesenheit [eines] Nichts (...) und das Zeichen von dessen Abwesenheit ist" (Vgl.: Agamben 1, S. 230).