neue form

© P. Hauf 2007-2010

Die alte Fahne Schwarz-Rot-Gold von 1848 zeigt — im regelwidrigen Zusammenpferchen und der darin stattfindenden gegenseitigen Indeterminierung der historischen Farben von auctoritas (Ausnahme) und potestas (Regel) — das Bild des "'Ausnahmezustands', der zur Regel geworden ist" (W. Benjamin): Eine in kommunikativer Hinsicht durch diese gegenseitige Indeterminierung buchstäblich ausgenommene, "leere" Fläche ... die nun der Willkür des Meta-Dogmas der furchtbaren Theokratie des Abendlands ausgeliefert ist: "Rot ist die Farbe Michaels in all ihren Schattierungen".

Derlei Dogmatik ist der wahre Kern des globalen Terrors: sie sucht allenthalben "die Mitte" zu usurpieren — die das Leben des Einzelnen ist —, und ihr schauerliches Monopol ist der — erstmals durch die Darstellung der Deaktivierung des Ausnahme-Dispositivs (und damit des wirklichen Ausnahmezustands) in dem Werk Neue Form überwundene, ansonsten unisono von allen Mächten der Welt für sich reklamierte — souveräne Bann.

 

"Es kann nichts Neues geben!"

Daraus folgt: Deutschland soll ein- für allemal weiter der neu-germanisch-"christliche" Sklaven- oder Herrenstaat (was das selbe ist) des "Heiligen römischen Reichs deutscher Nation" sein (also, heute freilich im Namen der globalisierten Wirtschaft, anknüpfen an das Dritte Reich, wozu dann direkt ein Zaubermittel wie die von einer Kamarilla im Auftrag dieses Lagers geraubte, zynisch mit millionenfacher Übermacht gegen den Willen ihres Schöpfers verdrehte und diesem perversen Zweck unterschlagene, neue Fahnenvorlage Neue Form nötig ist — wofür dann juristisch von den ja ohnehin in allen Machtpositionen des Staates (resp. der diesen immer mehr ersetzenden Wirtschaftsdiktatur) stehenden, an diesem Plot beteiligten oder ihn deckenden Groß-Kriminellen ein Anwendungsfall für die subjektive Notstandstheorie gezimmert wird), und insbesondere die Unionsparteien mit ihren "C" im Namen sehen sich nach der Wiedervereinigung und der systematischen Ausschaltung und Re-Annexion jenes eine zeitlang (auch) vom Sozialismus beanspruchten Rot in einer regelrechten reconquista wieder als die legitimen, alleinigen Statthalter dieses heute über alle möglichen demagogischen Instrumentarien (vor allem die König-Fußball- Inszenierungen und den mit dem "Geist der Paulskirche" verbrämten wiederkommenden StaSi-Staatssport) subtil-autoritär in die Gehirne der deutschen Bevölkerung gewaschenen, archaischen Wahnsinns.

Wie ernst dieses Projekt genommen wird, lässt sich an der sofortigen, mit allen nur denkbaren bandenkriminellen Mitteln durchgeführten Unterschlagung und dem konsequenten Zerstörungs- wie gleichzeitigen Massenbetrugsversuch durch massivsten Missbrauch des jenen archaischen souveränen Bann dialektisch auflösenden Werkes Neue Form ersehen.

1000 Jahre Theokratie als deutsche Staatsidee

1000 Jahre geistiger Betrug

Deutschland hat, sozusagen von jeher, ein spezifisches und grundlegendes Problem — Deutschland ist dieses Problem: Es ist das Land, das seinen Gründungsmythos, seine gelegentliche imperiale Größe auch, immer von Rom bezog ... wobei der Anspruch Roms, des Vatikan und seines Katholizismus, des Papsttums und des von ihm symbolisch repräsentierten, militärischen Bevormundungssystems ein autoritär- politischer (gerne von anderen Konfessionen nachgemachter), und keineswegs ein geistig- einsichtiger ist.

Dort geht es darum, dem um jeden Preis durchzusetzenden, dem immer von der einmal getroffenen Ansage "katholisch" (d. h. "allgemein") und von der angeblich exklusiven (mit einem einfachen Kreuzchen symbolisierten, freilich nur inklusive Unfehlbarkeitsanspruch postulierbaren) Mittlerposition zur göttlichen Souveränität gekennzeichneten Anspruch gerecht zu werden ... um das weltweit Schule machende "Streben nach dem 'militärischen Reich Gottes auf Erden'" (Hugo Ball, s. u.). 

Das Geistige wird von der Maschine der katholischen Seelenbeamten — darin eben gerade möglichst, in einer Art tödlichem Wettlauf, von ihrer von Luther in den 1520er Jahren aufgebrachten protestantisch- sportsfeindlichen Kollegenschaft noch übertroffen — mitsamt der Spiritualität des Individuums (so dies nicht am Ende gar dasselbe sein sollte) zu politischen, imperialen Zwecken "zurecht" gestutzt, dogmatisch stranguliert, politisch drangsaliert und instrumentalisiert, militärisch kaserniert und doktrinär kanalisiert.

Wer herrschen will in diesem Land, wird schlecht an diesen "christlichen" Monopolen der einen oder anderen Couleur, insbesondere dem (west-) römischen Katholizismus, vorbeikommen. Sie liefern traditionell die Definitionen, wie und was die Welt sowie ihr Recht ist bzw. zu sein hat, und damit das Rohmaterial für die jeweilige souveräne Entscheidung ... des ihnen verpflichteten Souveräns. — Aber was, wenn dieser Souverän das abtrünnige, undankbare und nicht in die Feinheiten und Fundamentalismen des geltenden Rechts eingeweihte Volk sein soll, und der islamistische Fundamentalismus angreift?

Dann wird dieser Clou wieder einmal Hochkonjunktur unter den ohnehin anderweitig unbeleckten, auch heute noch schön effizient von der Heiligen Inquisition (deren Chef während der letzten 30 Jahre der heutige Papst aus Deutschland war) von jedem lebendigen Geist ferngehaltenen Staatsdienern bekommen.

So besteht eigentlich von jeher ein scharfer, ziemlich einseitiger Gegensatz zwischen der autoritären deutschen Staatsidee und der freiheitsliebenden deutschen Intelligenz, dem "deutschen Gedanken" (der möglicherweise — jedoch nach wie vor ausgeschlossen von seiner sozialen Integration — auch heute eine bessere Antwort auf diese Frage hätte, als sie der katholische, "christliche", d. h. depraviert-christliche, Fundamentalismus zu geben vermag).

In seinen höchsten Formen, etwa bei Meister Eckhart, bat dieser Gedanke schon einmal darum, "frei zu werden von Gott". Doch derlei Erkenntnis ist selten, und ein halbes Jahrtausend der Inquisition kümmerte sich (und kümmert sich noch heute) darum, sie auszumerzen, was unweigerlich zu einer hoch spekulativen, absolut nicht von praktischer spiritueller Erfahrung geprägten und von daher vollkommen desorientierten, stets über das Knie gebrochenen, autokratisch- diktatorisch implementierten Tyrannei führt(e), die wiederum schon immer die sattsam bekannten weltlichen Diktaturen des Abendlandes auf Schritt und Stiefeltritt nicht nur begleitete, sondern nachgerade "inspirierte" (wenn denn überhaupt noch ein Fünkchen spirit in dem Laden vorhanden oder vorhanden gewesen sein sollte, und nicht bloß stets die vollständige Ersetzung der ursprünglichen, übrigens auch von jeher abenteuerlichen Schöpfungs-Idee durch die eine oder andere entsprechende, zum Schluss, heute nämlich, folgerichtig in der Emittierung von Falschgeld gipfelnden Geldschöpfungs-Idee).

Der heutige, deutsche Papst Josef Ratzinger/ Benedikt XVI. stand also die letzten 30 Jahre vor seiner Unfehlbarwerdung anno 2005 (BILD: "WIR SIND PAPST!") der Kongregation zur Bewahrung des rechten Glaubens (und der Kaufkraft solchen Geldes wie den faulen Papieren der vatikanischen Banco Ambrosiano?) vor, wie sich die Heilige Inquisition heute nennt; das sollte bei dem, was derzeit namentlich mit Deutschland geschieht, und auf das im Folgenden, wo es um das erneuerte Bild der Schlüsselentscheidungsgewalt in diesem Staat schlechthin geht — sowie dessen verfassungsfeindlichen Raub per neokonservativer Intrige, weil es der Bevölkerung zur Erlangung/ Erneuerung der Emanzipation der Zivilgesellschaft in diesen postdemokratischen Zeiten zurückgegeben werden sollte —, im Detail zu sprechen zu kommen sein wird, im Auge behalten werden.

Der Beginn der jüngeren Geschichte wird aus deutscher Sicht — wie zu zeigen sein wird, ganz zurecht, dies jedoch aus anderen Gründen als von der deutschen, nunmehr schon bekannt "geschichtspolitisch" arbeitenden Propaganda angegeben — auf das Jahr 1848 datiert, als nach einem halben Jahrhundert der von der französischen Revolution in den 1790er Jahren ausgelösten Wirren die Paulskirchenversammlung in Frankfurt stattgefunden hatte.

Der sogenannte Vormärz war — mehr oder weniger depraviert — in den "deutschen März" gemündet, und die erste "Nationalversammlung" inaugurierte ihre Fahne: Schwarz_Rot_Gold.

Es handelt sich, richtig und jetzt gelesen, bei diesem — partout nicht den Regeln der Heraldik gemäß, sondern in einer Art romantischer, beliebig-mutwilliger, symptomatisch autoritär- katholisch- monarchistischer Volte entstandenen — Fahnenbild um das zu einem solchen erstarrte Bild schlechthin des "'Ausnahmezustands', der zur Regel geworden ist": Wer, etwa per Propaganda, diese Fahne für sein Lager okkupiert, postuliert und reklamiert die souveräne Entscheidungsgewalt ausserhalb jedweden demokratischen Prozesses exklusiv für sich.

Nicht nur, aber insbesondere in Krisenzeiten (wie sich schon einige Male, 1849, 1933, 1989, gezeigt hat) eine äusserst kritische, brandgefährliche Angelegenheit, die, mit dem bislang und aller Wahrscheinlichkeit nach nur vorübergehend Ausnahme gebliebenen Datum von 1989, sich dann noch immer rasch irgendwie verselbständigend in das durchaus in ihr dispositiv angelegte Umkippen der Biopolitik in regelrechte Thanatopolitik und das militärisch inszenierte Aufkommen einer neuen Fahne entwickelt hat.

Wie nun insbesondere und in einer bislang noch nicht dagewesenen Profundität die Untersuchungen und Forschungsergebnisse Giorgio Agambens zum Ausnahmezustand, einer von Alters her in verschiedenen Formen bekannten Art des militärischen oder auch politischen ("fiktiven") Gewaltherrschens, zeigen konnten, besteht die originäre politisch- juridische Beziehung zwischen dem modernen Staat und seinen Bürgern ohnehin durch nichts anderes als den — selbst nämlich auf nichts anderes als die Figur der Ausnahme (im Spiel von Ausnahme und Regel) zurückgehenden — souveränen Bann, und keineswegs, wie es der Mythos haben will, in der Figur eines Vertrages (Agamben nennt dies das Hobbessche Mythologem). Die Situation des "ausgenommenen", und somit der Unterdrückung preisgegebenen Menschen entspricht daher der Situation des — von Agamben unter dieser Bezeichnung in die Debatte zurückgeholten) — Homo sacer, einer merkwürdigen Figur des alten römischen Rechts, die dadurch gekennzeichnet ist, dass sie ein Leben verkörpert, "das zwar getötet werden kann, aber nicht geopfert werden darf"; es scheint sich hierbei um eine Anspielung auf die Entscheidung bzw. Unterscheidung zu handeln, die schon in der alten griechischen Philosophie der Politik anzutreffen ist, zwischen einem Leben, das der jeweiligen politischen Gemeinschaft entweder dadurch angehört, dass es gerade selbst diese Entscheidung traf, sich zu "politisieren" (und darüber Aufnahme fand in diese gegen etwas anderes, nämlich gegen den "schönen Tag des Lebens", die euhemeria, wie es bei Aristoteles heisst, abgegrenzte Gemeinschaft), oder ihr eben nicht angehört und "bloßes Leben", Homo sacer ist.

Die Patsche, in der der lebendige Mensch dabei in seinem heutigen Staat sitzt, besteht genau darin, dass es jener "schöne Tag" ist, der zur Aufnahme in die Gemeinschaft zu politisieren ist — dessen Rechte dabei jedoch aufgegeben werden müssen. In dieser selbst-entmündigenden, selbstentmündigten Sackgasse des Mündigseinwollens steckt der Mensch mit seiner staatlichen Politik und deren Autoritätsfrage (die ihm im Falle einer Wirtschaftsdiktatur gerade das politische Bürgerrecht des "schönen Tages", das er sich mehr oder weniger errungen hatte, wieder streitig machen, durchkommerzialisieren und dadurch wegnehmen wird) noch heute — irreversibel, so wie es aussieht. Die Entscheidung liegt nicht bei ihm, sondern bei einer Gewalt, die er nicht unbedingt direkt kreiert, sondern die aus seiner Kreation — zwangsläufig, und mit dem Eigen- Anspruch, diese, die sie in Wirklichkeit angreift, selbst zu schützen — ensteht: Bei einem Mafia-Staat, wenn niemand aufpasst.

Aus diesem Grund konnte der (deutsche) Staatsrechtler Carl Schmitt zu seinem berühmten Statement kommen: "Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet."

Wenn die Annahme richtig ist, dass das staatliche deutsche Hoheitszeichen von 1848, Schwarz_Rot_Gold, nicht nur einem, sondern gar einem gattungstypischen Bild des Ausnahmezustandes gleichkommt (das durch das Ineinanderfallen von Regel/Norm, symbolisiert durch das kaiserliche Schwarz/Gelb, sowie der Ausnahme, symbolisiert durch das ekklesiastische Rot, und durch die weitere, genaue Entsprechung der für das abendländische Rechtssystem symptomatischen Anlage, d. h. der für dieses typischen Konstellation von potestas/schwarzgelb und auctoritas/rot entstünde, wie es hier eben auch der Fall ist), so handelt es sich dabei einerseits um "das deutsche Dispositiv" (was schon einmal das beständige Zurückkommen auf diese Fahne nach intermittierendem Gebrauch von anderen Farben und Symbolen hinlänglich erklärte), während gleichzeitig alles darauf ankommt, die Deutungs- oder Missdeutungshoheit darüber zu erlangen (da aus ihr jeweils die wie auch immer gelagerte Entscheidung hinsichtlich der politischen Weges- Gestaltung, die Entscheidung über den Ausnahmezustand, sowie gleichzeitig deren — zumeist nachträglich gelieferte, das bedeutet also im Zusammenhang mit jener Gleichzeitigkeit, nachträglich kaum mehr von irgendjemandem rechtlich be- oder verurteilbare — Legitimation zu ziehen ist.

So liest sich das Diktum Schmidts ganz einfach wie folgt: Souverän ist, wer die Gewalt inne hat — und so sagt oder sagte das heute weitgehend von der realen, von den mit ihr identischen Kommunikationsherrschern per geraubter Kunst bemäntelten Gewalt suspendierte Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, "Alle Gewalt geht vom Volke aus".

Und es ist das Bezeichnendste an dieser Situation, dass die Juristen dabei schweigen.

Dass es eine Bande von Privat-Juristen ist, die in Gestalt eines intriganten Raubüberfalls auf die neue, von ihr zu der von ihr ausgehenden sowie getragenen, unglaubwürdigen Demagogie und deren Bemäntelung verdrehten Fahnenvorlage Neue Form derlei Zusammenfallen von politischer Kriminalität und Wirtschaftskriminalität — aufgepeppt mit Amtsanmaßung und stets weiter ausgebauter Massentäuschung — exekutiert.

Der ganze Schwindel funktioniert mit nur einem einzigen Wort, weltweit: es lautet "Gott". Damit, weil in jedem denkenden Menschen nicht nur eine Tendenz zu Verfeinerung und Ganzheit ist, sondern weil das Denken selbst ein "Stoß in Richtung Verfeinerung und Ganzheit" ist, lässt — bzw. ließ — sich durch das Postulat "Gott" und durch den Claim auf seine selbstverständlich von den Postulierern selbst eingenommenen Stellvertreterschaft ... Staat machen. Letztlich der unipolare und tyrannische Pseudostaat, als den sich der heutige Weltmarkt begreift, und der es wohl auch ist.

Frömmelnde Heuchelei ist es, was die Welt beherrscht. Damit erst zockt man den Zaster ab, der einem Macht über andere verleiht. Was ein gewisser Hugo Ball, ein tatsächlich tiefreligiöser, vielleicht sogar die "Religion" bereits wieder hinter sich lassen könnender (denn die Religion ist nicht das non plus ultra an sich, sondern ein Durchgangsstadium in der Reifung des Menschen), sich zum Christentum bekennender Mensch (und da wird man eventuell jetzt ein bisschen nachdenken müssen, bis man auf die demagogische Verdrehung stößt, die aus dem "Glauben von Christus" einen "Glauben an Christus" gemacht hat), 1919 in seiner Verzweiflung auf der Schutthalde des Ersten Weltkrieges hockend diagnostizierte, geriet in den darauf folgenden 90 Jahren zur Weltherrschaft einer einzigen Tyrannei — so wahr ist es:

"Nochmals betonen möchte ich, dass es die Verbindung von Religion und Staat, die göttliche Sanktionierung der Autokratie ["So wahr mir Gott helfe" — es dauert schließlich immer ein Weilchen, bis man merkt, dass es ein Irrtum war. PH], die Verwirklichung Gottes und der Idee, die Ideenverwaltung durch eine wilde Staatsautorität und das Streben nach dem militärischen "Reich Gottes auf Erden" war, was ich antichristlich, Blasphemie und Satansdienst nannte. Der Protestantismus ist eine Irrlehre, eine Irrlehre der Katholizismus, der sich auf der Erde etabliert. Gott und die Freiheit können nicht verwirklicht werden, sie sind Ideale, Staat ist ein Zustand und Zufall, von der göttlichen Idee zu durchdringen und in sie aufzulösen, nicht umgekehrt."