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"leitkultur"

"Leitkultur" ist eine Wortschöpfung des Wissenschaftlers Bassam Tibi aus dem Jahr 2000, die er in seinem Buch Europa ohne Identität kreierte; sie bezeichnet also eine strikt dem Abendland verpflichtete Sache.

Ein wenig später übernahm der zeitweilige CDU-Fraktionsführer im Bundestag, Friedrich Merz, diesen Begriff unter Zusatz des Adjektivs "deutsch", um seine Integrationsvorstellungen — und wohl auch die seiner Partei — von nach Deutschland gekommenen und hier lebenden Ausländern damit zu verschlagworten, bzw. den unbedingten und diskussions- wie entwicklungslos hinzunehmenden kulturellen Führungsanspruch "Deutschlands" (d. h . also, was zumindest das imperial-konservative Lager, und dort maßgeblich die CDU darunter zu verstehen beliebt: exakt das deutsche Dispositiv).

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Immanente Ausnahme VIII ("A Going Towards Freedom"); 1996 P. Hauf. Aus der free_sun™®-Serie.

ein paar echte leitgedanken

Hugo Ball, der mit den Worten von Hermann Hesse als "religiöser Anarchist" gilt, und der sein Werk Zur Kritik der deutschen Intelligenz DEN FÜHRERN DER MORALISCHEN REVOLUTION GEWIDMET hatte, formulierte am Schluss seines Vorwortes am 24. Dezember 1918:

"Und da ich den religiösen Despotismus für das Grab des deutschen Gedankens hielt, versuchte ich, das neue Ideal ausserhalb des Staates und der historischen Kirche in einer neuen Internationale der religiösen Intelligenz zu begründen. Es kennzeichnet die Freiheit, dass sie so wenig verwirklicht werden kann, wie Gott zu verwirklichen ist. Es gibt keinen Gott ausser in der Freiheit, wie es keine Freiheit gibt ausser in Gott."

In diesem nahezu hundert Jahre alten Text ist noch eine ganze Serie von miteinander verflochtenen Limitationen zu erkennen: Das Terrain der metaphysischen wie auch der mystischen Tradition des Abendlandes wird nicht verlassen, und die Begriffe bleiben von daher zwangsläufig statisch. Die völlige Befreiung der Religion, die Hugo Ball an anderer Stelle fordert, kann jedoch erst geschehen, wenn auch die rein denotative Sprache des abendländischen Menschen "befreit" und ihr wieder ein gleichzeitiges, konnotatives Erfassen gewährt wird, wie dies, nichtsdestoweniger, etwa in Balls poetischer Doppelwendung Gott/Freiheit//Freiheit/Gott schon versucht wurde. Jener anderenorts in diesem Zusammenhang zitierte Tibeter aber kann es in seiner konnotativen Sprache gleich anders, kurioserweise direkter sagen: frei-sein.

Und auch "Religion" wird dann, in jener völligen Befreiung, etwas anderes als das, was wir im Abendland darunter zu verstehen gelernt bekommen haben; nämlich praktizierbares, praktiziertes Denken. Warum sollte es nicht die ohnehin überlebte Form Staat ablösen?

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