Neue (Bewusstseins-) Form: freiwerden

Das Werk Neue Form © P. Hauf 2007-2024

"... sprich dort, wo es >>kein >Land< mehr<< gibt." (Jean-Luc Nancy zitiert Nietzsche: singulär plural sein, S. 9)

 

Das als Textilsiebdruck-Vorlage angelegte Kunstwerk Neue Form (2007; Auflage 50 Stück) aus dem Œuvre des Malers und Grafikers P. Hauf ist in einem Prozess entstanden und von diesem bestimmt, in dem "sich die Wahrheit des Seienden ins Werk gesetzt (hat)" (Heidegger5, S. 21):

Dieses Werk gibt, wie noch erläutert wird, ohne Rekurs auf Vorgeordnetes den Blick frei auf eine Welt, welche ihrerseits die abendländische Tradition der Metaphysik überwunden hat.

 

 

entkoppelungen (b)

"In unserer Kultur ist der Mensch immer als Trennung und Vereinigung eines Körpers und einer Seele gedacht worden, eines Lebewesens und eines lógos, eines natürlichen (oder tierischen) und eines übernatürlichen, sozialen oder göttlichen Elements. Wir müssen hingegen lernen, den Menschen als Ergebnis der Entkoppelung dieser zwei Elemente zu denken und nicht das metaphysische Geheimnis der Vereinigung, sondern das praktische und politische der Trennung zu erforschen." (Giorgio Agamben 6

"Das" Politische (Carl Schmitt) umfasst die gesamte begriffliche Vermittlung zwischen Einzelnem und Allgemeinem (vgl.: Rotermundt, S. 96). In dieser Vermittlung taucht die Frage nach der Auslegung der Begriffe auf, die entweder richtig der Hermeneutik überlassen und offen diskutiert wird - oder aber von "Kommunikationsherrschern" einer "autoritären" Interpretation zur Erlangung von Zwecken unterzogen wird, die mit anderen Mitteln nur schlecht oder überhaupt nicht zu erreichen sind. In diesem Sinn sind auch Begriffe "Zeichen", bzw. die herausragenden Zeichen unter den graphen eines jeden Texts (dessen besondere, kritische Analyse hinsichtlich seiner durch die Charakteristika der Sprache selbst gegebenen binären Voraussetzungen und Aussagen seit etwa Ende der 60-er Jahre im abendländischen Kulturkreis insbesondere der Dekonstruktivismus aufgegriffen hat).

Es geht um nicht weniger als die Art der Beherrschung des Bewusstseins. Das Feld der visuellen Kommunikation bietet mit seinen Bildmitteln und Methoden ein unterschwelliges Repertoire zur Wirklichkeitsgestaltung, dessen Kenntnis durchaus einem Herrschaftswissen gleichkommt. Es ist von daher, dass oft ein extrem ambivalentes Verhältnis zwischen Grafikern und den Anwendern oder Nutzern ihrer Werke besteht: Denn erst durch die Entkoppelung von Werk und Urheber wird das kommunikative Setzen von tendenziösen Sachverhalten allein durch die Zuordnung eines falschen Begriffes - oder gleich, was äusserst beliebt ist, einer falschen Urhebereigenschaft - möglich (in Deutschland wird von den Anwendern/Nutzern "sowieso" stets um jeden Preis versucht, urheberrechtlich relevante Grafik - vielleicht unbewusst, jedenfalls aber zwanghaft  - auf "aus dem substanziellen Inneren des Staates kommend" zu polen, d.h. die Botschaft zu "michaelisieren": denn erst dann scheint sie im Lande des geistigen Oberherrschers Michael die grösste manipulative Wirkmacht anzunehmen und zu besitzen, quasi erst das zu werden, was man "eigentlich" wollte, als man den Gestaltungsauftrag erteilte: Wird ihr Geist nicht erst durch jene Entkoppelung der deutschen Kindergarten-Sittlichkeit einverleibt, die in ihrem Kern durch ein Phantom, eine Chimäre, eine (eine in sich als angeblich ununterschieden zu geltende formale "Einheit" - wenn es das freilich überhaupt nur gäbe - "kreierende") Postulierung eines transzendenten (Einheits-)Schöpfergottes zusammengehalten wird? - Und ist dies nicht der entscheidende "fromme" Akt, der von den Herrschern über die Nutzung des betreffenden visuals geleistet wird, denen von daher die alleinige Anerkennung für das Werk zusteht? - Diese Fragen mögen polemisch klingen, in der Praxis jedoch findet eine solche Umkehrung andauernd statt - wenn die begehrte Designleistung nicht gleich gestohlen wird (der Aufwand bleibt nahezu gleich, die Chancen, nichts bezahlen zu müssen, stehen bei der gegenwärtigen Rechtslage für Kreative dank des völlig "durchkapitalisierten" deutschen Parlamentes nicht mal so schlecht für deren gnadenlos zynischen Ausbeuter) ... oder, wie im vorliegenden Fall, direkt gestohlen werden MUSS, weil sonst die kritische Dimension des Werkes und sein zukunftsträchtiges Potenzial nicht ausgegrenzt, vernichtet bzw. umgemünzt werden kann, die oben erwähnte Transponierung in den fiktiven, die allfällige deutsche Nationalstaatsillusion kreierenden Fundus des "substanziellen Inneren des Staates" mithin nicht klappen kann.

Solche Leistung - nicht die zuschanden gemachte Kreation - zählt im heutigen Deutschland als Verdienst und gereicht den Tätern in einem erschreckenden Ausmaß zur Ehre.

Das ist der Strang, an dem der Ehrsüchtige zieht, und die vielleicht auch noch Kosten verursachende Chose mit der angemessenen Vergütung der Nutzungsrechte ist auch gleich mit draussen, wenn der Urheber aller Bildnisse doch der liebe Gott ist. Wozu einen Grafiker für die Frechheit, sich Schöpfer eines Werkes zu nennen, entlohnen? Das ist doch - aus "christlicher" Sicht - Blasphemie!

Ein einzelnes Bewusstsein, das Zeichen, Symbole, visuelle Kommunikation erkämpft (und andererseits die Zeichen der Zeit auch zu lesen vermag), stört im - von seiner Fahne her - in herausragender und ausschließlicher (wenn auch noch nicht ganz wieder mit allerletzter Konsequenz gehandhabter) Weise "nationalsozialistisch" ausgerichteten Deutschland (dessen Hakenkreuzfahne eben nichts anderes als ein Blick durchs Mikroskop auf dieses "deutsche Rot" in ihrem Innersten gewesen ist) wie der Dorn im Auge.

Die Mechanismen des modern genannten Staats an sich sind es, die der Deutsche wie mit der Muttermilch aufsaugt, sobald er seine 1848-er Fahne erblickt: Der Trick liegt in der darin - in ihrem "Innersten" - über den "gemeinsamen Nenner" des (dort leider als exklusiv deutsch determinierten) Rot vorkommenden Überlagerung, einer scheinbaren Kongruenz (die deswegen nicht weniger wirkmächtig ist, wahrscheinlich ist sogar eher das Gegenteil der Fall) der (erwünschten) "konkreten Freiheit des Einzelnen" (als homo sacer, wie Agamben "das nackte, das 'heilige' Leben" des einzelnen Menschen nennt) einerseits, im Staat andererseits, der, wie Hegel sagt, "die Wirklichkeit der konkreten Freiheit [ist]", die wiederum, erneut mit Hegel "[darin] besteht ..., dass die persönliche Einzelheit und deren besondere Interessen sowohl ihre vollständige Entwicklung und die Anerkennung ihres Rechts für sich ... haben, als sie durch sich selbst in das Interesse des Allgemeinen [soll heissen: des Staates; P.H.] teils übergehen, teils mit Wissen und Willen dasselbe und zwar als ihren eigenen substanziellen Geist anerkennen (...)" (G. W. F. Hegel in seiner "Rechtsphilosophie") mit, drittens, der von der Amtskirche dogmatisch und autoritär "interpretierten" (bzw. "garantierten") Farbe des "Wägers und Richters allen [nackten] Lebens am Jüngsten Tage", Michael. Diese Überlappung wird erst richtig interessant, wenn die darin enthaltenen Axiome ("das Recht", "der Einzelne" - das subjectus supreaneus und damit "der Souverän" des modernen Staates, etc.) weiter analysiert werden (wie dies namentlich G. Agamben in der Trilogie seines Homo-sacer-Projekts in erstmals befriedigender Tiefe, was jene ominöse substanzielle Einheit anbelangt, getan hat); es kommen dabei eine Reihe "wissenschaftlicher Mythologeme des 19. und 20. Jahrhunderts" (Agamben 7, S. 63) und katastrophaler Rückwärts- oder Restaurationstendenzen zutage - die, wenn es nach dem Willen der selbsternannten deutschen "Kommunikationsherrscher" (Zwanziger, Schäuble) geht, die wir noch genauer kennenlernen werden, tunlichst weiterhin im Dunklen zu bleiben haben, damit der Profit auch weiterhin nur einem geringen Prozentsatz der Bevölkerung zufließt: Das ist Faschismus.

Die deutsche Fahne ist das herausragende Mittel der Unterdrückung, das jenen "Kommunikationsherrschern" zu Gebote steht, und aus diesem Grund werden sie deren Neugestaltung um jeden Preis annektieren und mit aller Gewalt in ihre so lukrative substanzielle Einheit zurückführen müssen. Es wird sich dabei zeigen, dass sie sowohl aufgrund als auch ungeachtet ihres tatsächlichen kommunikativen Bankrotts weiter, wie gehabt, durch "reine Gewalttätigkeit ohne lógos eine Aussage ohne jeden realen Bezug zu treffen" (Agamben 7, S. 51) nicht nur beanspruchen, sondern nachgerade gezwungen sind: "Fußball ist Zukunft"(DFB 2008), oder "WIR"(CDU 2009).

Wer sich - sagen wir: klassenspezifisch - auf die Seite "Michaels" stellt, und ein "gutes" Geschäft machen möchte, der wird nun gar nicht umhin können, als sich auf die entsprechende Interpretation des "deutschen" Rot als dem Ausdruck eines Rechts "im Banne der mythischen Rechtsformen"  (Benjamin 1, S. 64) zu verlegen - und in einer Ausnutzung des Faktes, dass sich sein Opfer gewöhnlich oder schließlich gezwungenermaßen "von alleine" der im Dispositiv der Trikolore postulierten und entsprechenden Gewalt unterwirft (ist es nicht auch "sein" Staat, von dem er sich die Anerkennung des Rechts seiner Einzelheit verspricht?), die das Recht in der spezifischen, von der Anlage der Rechtsordnung selbst her gegebenen, stets aktiven Art Ausnahmezustand an das Leben bindet - die Anwendung des Rechts zu suspendieren suchen, während das Gesetz als solches schön in Kraft bleibt (wie Agamben gezeigt hat). Er muss "nur" 'das Politische' als solches okkupieren (was er somit auch schon getan hat), so wie die Amtskirche das Rot als solches "von jeher" dogmatisch okkupiert (ohne dass beides freilich in Wirklichkeit irgendeinen gültigen Maßstab für vernunftgemäßes Handeln abwerfen könnte). - Da es auf diese Weise eben die Masse - und nicht die Klasse - macht, ist der klassenspezifische Unterschied so scheinbar wie überzeugend aufgehoben. Jetzt kommt alles nur noch darauf an, das Bewusstsein zu sedieren, und der Coup hat Bestand. Fernsehreligion, Fußball und eine Überdosis Bier machen die Politik in Deutschland.

Die "autoritäre" Manipulation wird verabreicht als ein Kinderspiel. "Sei dabei!", und die Umverteilung von unten nach oben funktioniert reibungslos. Dies ist der Barbarei Lehranstalt.